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Die Polizei – dein Feind und Helfer?

Wie hier auf diesem Blog im Artikel „Maul halten und bloß nichts fragen? – oder: der alltägliche Rassismus“ geschildert, hat Ingo, Mitglied bei den SeniorInnen gegen Stuttgart21 und Beobachter bei diesem Vorfall mit seiner anschließenden Festnahme beim Polizeipräsidium Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Anscheinend wird dort seine Dienstaufsichtsbeschwerde nicht als solche behandelt, sondern im Antwortschreiben bloß als eine „Nachricht“ bezeichnet. Ein eklatanter Unterschied, „Honi soit qui mal y pense“ oder „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“ und ja, man kann halt alles kleinreden, meint die Blogggerin. Nachstehend die Info von Ingo samt Antwort vom Polizeipräsidium.

„Heute 21.5. in meinem Briefkasten: Ein Brief (von der Post gebracht) vom Polizeipräsidium Stuttgart / Polizeirevier 5 (Ostendstrasse), datiert vom 17.5.2019. Wortlaut:

„Ihre Nachricht vom 16.05.2019 wurde vom Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg zuständigkeitshalber an das Polizeirevier 5 Ostendstrasse weitergeleitet.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass der Sachverhalt erst recherchiert werden muss, bevor die Angelegenheit abschließend bewertet werden kann. Hierfür kann es z. T. auch erforderlich sein, mehrere Stellen einzubinden.

Bis dahin bitte ich Sie um Geduld. In jedem Fall werden Sie über das Ergebnis der Prüfung so bald als möglich informiert.

Mit freundlichen Grüßen

… Erster Polizeihauptkommissar“

Meine „Nachricht“ an den Innenminister (tatsächlich war die Mail als Dienstaufsichtsbeschwerde“ gekennzeichnet) kann ich nicht mehr finden, nur die Information an die Gleichstellungsstelle der Stadt Stuttgart. Ich versuche, sie hier anzuhängen.“ (Hat leider nicht funktioniert, die Bloggerin!).

Auch im wöchentlichen Treffen der SeniorInnen gegen Stuttgart21 wurde über den Vorfall gesprochen. Immer noch herrscht hier Unverständnis und Empörung über das Verhalten der Polizeibeamten.
Anscheinend gelten bei bestimmten Dienststellen der Stadt und im Land andere Prioritäten als zuförderst die Beachtung der Menschenrechte und des Grundgesetztes oder es wird großzügig darüber hinweggesehen oder anders ausgelegt. Steht das Polizeigesetz etwa im krassen Widerspruch zu den Menschenrechten und des Grundgesetztes. Wie perfide wäre denn das?

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Maul halten und bloß nichts fragen? – oder: der alltägliche Rassismus

Ein Vorfall am Ostendplatz in Stuttgart zeigt wieder einmal deutlich, wie rassistische Diskriminierung und damit rechtswidriges Verhalten schon zum Alltagsbild der Stadt gehören. Ingo, Taxifahrer und zufälliger Beobachter berichtet über den alltäglichen Anti-Tsiganismus und Racial Profiling am Ostendplatz.
„Am Dienstag 14.5.2019 warte ich in meinem Taxi am Taxiplatz Ostend auf Kundschaft und sehe vor meinen Augen: Rechts am Rewe-Eingang hat sich eine Frau aus Rumänien niedergelassen; neben sich ein weißes Schoßhündchen, das ihr offensichtlich zur vorübergehenden Aufbewahrung anvertraut worden war.
 Ein Polizeiauto hält im Fußgängerbereich an; zwei Polizeibeamten steigen aus und kontrollieren die Sitzende. Ich gehe hin und frage die Beamten, warum sie das tun. Statt einer Antwort: „Haben Sie etwas mit ihr zu tun? Gehen Sie weg!“ Die Polizistin will mich zur Seite schubsen. Als ich nochmal meine Frage stelle, höre ich „Platzverweis“, werde von den beiden Beamten an den Armen gepackt und einige Meter weggezogen. Inzwischen ist auch eine ältere Dame, die der Sitzenden ihr Hündchen anvertraut hatte, gekommen, um es an sich zu nehmen.
Wieder losgelassen, wende ich mich, um zu meinen Taxi zu gehen. Da packen sie mich wieder an beiden Armen. Inzwischen sind zwei weitere Polizisten in einem Transporter angekommen. Meine Hände werden mit Handschellen auf den Rücken gefesselt, und ich werde im Transporter zur nahen Polizeiwache abtransportiert. Dort werde ich nach Feststellung der Personalien wieder freigelassen.“
Ingo, der auch Mitglied bei den SeniorInnen gegen S21 ist, wundert sich über eine Polizeikontrolle am Ostendplatz und fragt nach, was denn da los sei. Und findet sich am Ende selbst gefesselt und gewaltsam zur Polizeiwache gebracht . Nicht nur das Verhalten der beiden Polizisten ihm gegenüber ist empörend, meint Ingo, sondern auch der Anti-Tsiganismus und dem racial profiling am Ostendplatz gegenüber einer Frau, die anscheinend aus Rumänien stammt.

Auch die SeniorInnen gegen S21 sind empört: Wir wissen, daß durch willkürliche Polizeikontrollen im öffentlichen Raum für Außenstehende der Eindruck entsteht, dass derartige Kontrollen bestimmt nicht grundlos seien. Solche Wechselwirkungen verstärken eindeutig den alltäglichen Rassismus. Und für uns ist das ein klarer Verstoß gegen die Menschenrechte und gegen das Grundgesetz, wonach rassistische Diskriminierung nach Artikel 3 (3) verboten sind und gegen die Menschenrechtskonvention verstoßen.

Auch fragen sich viele SeniorInnen nicht zu unrecht: Ist es jetzt wieder soweit, dass wir nicht frei auf die Straße gehen können und uns aus Angst vor Repressionen nicht einmal mehr zu fragen getrauen, wenn uns etwas verdächtig oder fragwürdig vorkommt? Müssen wir den Mund halten, weil allein schon das bloße Nachfragen bei einer Polizeikontrolle zu einer Festnahme führen kann? Und man wird gefesselt und fortgekarrt. Was ist denn das für ein Land, in dem das wieder möglich ist? Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt?

Die Bloggerin meint dazu:
Racial Profiling als Verstoß gegen grund- und menschenrechtliche Fundamentalnormen
Eine Ungleichbehandlung von Menschen aufgrund phänotypischer, unveränderlicher Merkmale wie der Hautfarbe oder der Gesichtszüge stellt jedoch eine rassistische Diskriminierung dar, die den Personen ihren menschlichen Achtungs- und Gleichbehandlungsanspruch nimmt. Dieses Diskriminierungsverbot ist zum einen in Art. 3 Abs. 3 S. 1 GG verankert und gleichzeitig Kerngehalt des internationalen sowie europäischen Menschenrechtsschutzes in Artikel 14 der Europäischen Menschenrechtskonvention.
Hier noch ein interessanter Blog von Studierenden an der HU in Berlin:

Polizeikontrolle verstößt gegen Art. 3 Abs. 3 Grundgesetz – Das OVG Rheinland-Pfalz setzt ein Zeichen gegen Racial Profiling


Hinzu kommt noch die Festnahme von einem Unbeteiligten aufgrund einer Frage an die Polizisten. Weder war dieser verbal aggressiv noch ließ sein Verhalten Rückschlüsse auf ein tätliches Eingreifen seinerseits zu. Hier liegt klar ein Überschreiten polizeilicher Kompetenzen vor. Ingo hat deshalb auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt. Man darf gespannt sein (oder auch nicht!).

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Fiasko im Gemeinderat: Antrag auf Ablehnung des Telecom-Glasfaserbau-Vertrags endet im Patt!

Im Gemeinderat sollte am 9. Mai. 2019 über den Kooperationsvertrag „Gigabit Region Stuttgart“ mit der Telecom abgestimmt werden. Nicht nur eine Bürgerinitiative forderte schon seit einiger Zeit, dass der anstehende Glasfaserbau in städtischer Hand betrieben werden solle, auch zahlreiche Bürger schlossen sich dieser Forderung an. Für die Ablehnung des Vertrages machten sich auch SÖSLinkeplus und die Grünen stark. Allerdings bestand anscheinend wenig Hoffnung auf Erfolg, denn die Befürworter wären bei einer Abstimmung zahlenmäßig überlegen gewesen. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!
Plötzlich war aber die große Chance zu einer Ablehnung da, denn die SPD hatte sich inzwischen eines Besseren besonnen: Auch sie wollten sich doch noch gegen einen Kooperationsvertrag mit der Telecom entscheiden. Es kam zur Abstimmung. Aber der Antrag wurde wider Erwarten abgelehnt, es entstand nämlich ein Patt, was einer Ablehnung des Antrags gegen den Kooperationsvertrag gleichkam. Wie konnte das geschehen? Hier die Erklärung der Bürgerinitiative Mobilfunk zu diesem Trauerspiel:

Stuttgart: Antrag gegen 5G – Patt im Gemeinderat
Telekom-Deal: Erklärung der Bürgerinitiative Mobilfunk zur Gemeinderatssitzung am 9.5.2019.
Im Gemeinderat Stuttgart stand am 9.5.2019 der Kooperationsvertrag „Gigabit Region Stuttgart“ mit der Telekom zur Abstimmung. Das Vertragsvolumen für die Region beläuft sich auf 2 Milliarden Euro, die Telekom betrachtet es als bundesweites Prestigeprojekt.
Die Bürgerinitiative Mobilfunk forderte, dass der Glasfaserausbau in städtischer Hand betrieben und 5G abgelehnt wird. Im Vorfeld gab es 2 Großveranstaltungen mit jeweils 350 Besuchern, Stände in der Stadt, eine Unterschriftensammlung, gemeinsame Erklärungen von Umweltverbänden (BUND, KUS, Naturfreunde, Attac, Stadtwerke e.V.) und ein gute Presse.

Kundgebung am Marktplatz – Widerstand gegen 5G
Höhepunkt war die Kundgebung vor der Gemeinderatssitzung mit ca. 80 TeilnehmerInnen, vielen Transparenten.  Dort redeten Clarissa Seitz (GRÜNE) und Hannes Rockenbauch (SÖS, Stuttgart Ökologisch Sozial). Auch der Europaabgeordnete Klaus Buchner (ÖDP) ermutigte in einer kurzen Rede zum Widerstand gegen 5G.

Zur Gemeinderatssitzung lag der Antrag der Fraktion der GRÜNEN auf Ablehnung von 5G vor. Es gab eine heftige Debatte. Die SÖSLINKEPluS-StadträtInnen schlossen sich in der Debatte allen Forderungen der Bürgerinitiative mit Anträgen zur Ablehnung des Vertrages, Breitband als Eigenwirtschaftsbertrieb  und Bürgerbeteilung an, und stimmten dem Antrag der GRÜNEN zu. Auch die SPD sprach sich für Breitband in städtischer Hand aus und signalisierte Zustimmung zum 5G-Antrag der GRÜNEN. Damit war klar, dass eine Gemeinderats-Mehrheit aus GRÜNEN, SPD und SÖSLinkePLuS für die Ablehnung von 5G zustande gekommen war. Die Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht erklärte in der Debatte, dass die Telekom bereit wäre, im Vertrag auf 5G in Bezug auf Stuttgart zu verzichten, auch wenn dies der Region schwer vermittelbar sei. Damit wäre Stuttgart die erste deutsche Stadt, die sich gegen 5G ausspricht. Das hätte eine Signalwirkung gehabt. Ein tolles Ergebnis der Vorarbeit unserer Bürgerinitiative, der Aktiven des  AK Digitalisierung des BUND, der Unterstützung von hunderten BürgerInnen und EinzelstadträtInnen von SÖSLINKEPluS und GRÜNEN.

26:26 Stimmen – ein Schock
Die Abstimmung war ein Schock: 26:26, keine Mehrheit gegen 5G. Damit war der Weg frei für den Telekom-Deal. Zwei StadträtInnen der Linken hatten vor dem Tagesordnungspunkt wegen einer Wahlveranstaltung den Saal verlassen,* weil sie nichts vom Meinungsumschwung der SPD und einer möglichen Mehrheit wussten! Der GRÜNE Oberbürgermeister Fritz Kuhn hätte mit seiner Stimme noch die Mehrheit herstellen können, aber er enthielt sich.
Mit den Stimmen von CDU, GRÜNE, SPD, FWV, FDP, Einzelstadtrat Schertlen (SchUB) und rechten Einzelstadträten (AfD) wurde dann der Gesamtvertrag/Telekom-Deal (Kooperationsvertrag Gigabit Region Stuttgart) verabschiedet. Mit diesem Beschluss setzt die Stadt Stuttgart ihre Politik des Ausverkaufs der Daseinsvorsorge, wie es bei Wohnungen, Wasser und Energie geschehen ist fort und macht sich immer abhängiger von Kapitalgesellschaften und Investoren. Der gestrige Beschluss zum Telekom-Deal, der von allen Fraktionen außer der SÖS/LINKE/PluS getragen wird,  ist ein politischer Skandal, der an die Crossboarder-Leasing Deals erinnert. Die Entscheidung über einen entscheidenden Teil zukünftiger Daseinsvorsorge, mit enormen Folgen für Mensch und Natur, wurde damit in kürzester Zeit und an den BürgerInnen vorbei durchgezogen. Nachdem die GRÜNEN ihren Antrag gegen 5G nicht durchgebracht haben, stimmten sie dem Gesamtvertrag mit 5G und der Unterwerfung unter die Bedingungen der Telekom zu. Das ist für uns nicht nachvollziehbar. Unser jahrelanges Bemühen um ein kommunales Breitbandnetz, bisher von den GRÜNEN und SÖS/Linke/PluS unterstützt, wurde ignoriert. Als marktbeherrschender Akteur wird die Telekom in Zukunft alle wirtschaftlichen Gebiete selber ausbauen. Für den Rest muss die öffentliche Hand teuer bezahlen, ohne aber hinterher ein wirksames Eigentum am Netz erlangen zu können. Die Beschwichtigungen, die Telekom würde alle Wettbewerber gleichberechtigt behandeln, sind naiv und widersprechen den Erfahrungen.
Die Gemeinderatsdebatte wurde der gesellschaftliche Bedeutung dieser Weichenstellung zur digitalen Transformation der Region in keiner Weise gerecht. Im  Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“ heisst es:

„Dieses Gutachten stellt die bisher größte Herausforderung dar, der sich der WBGU seit seiner Gründung im Rio-Jahr 1992 gestellt hat: in intellektueller, in politischer und in ethischer Hinsicht. Denn der WBGU dehnt den Analyseraum über seinen Kernkompetenzbereich hinaus aus, weil das künftige Schicksal der planetarischen Umwelt massiv vom Fortgang der digitalen Revolution abhängen wird. Er mischt sich in einen gesellschaftlichen Diskurs ein, der immer hektischer geführt wird, weil es um die globale Innovationsführerschaft im 21. Jahrhundert geht. Und er versucht, Antworten auf Kernfragen zu finden – Fragen nach der mittelfristigen Zukunft, ja sogar nach dem schieren Fortbestand des Anthropos auf der Erde. Nur wenn es gelingt, die digitalen Umbrüche in Richtung Nachhaltigkeit auszurichten, kann die Nachhaltigkeitstransformation gelingen. Digitalisierung droht ansonsten als Brandbeschleuniger von Wachstumsmustern zu wirken, die die planetarischen Leitplanken durchbrechen.“ Darüber braucht es dringender denn je eine Debatte und Bürgerbeteiligung.

Rede von Hannes Rockenbauch, Fraktionsvorsitzenden SÖSLINKEPluS bei der Kundgebung

Alles was recht ist, Tom Adler. Aber das hätte nicht passieren dürfen! Da hilft auch kein drumherum Reden, wie dann auf der Montagsdemo am 13. Mai. geschehen.  (Die Rede ist auf BAA nachzuhören. Sie kann hier leider nicht eingefügt werden.)

*Auf der Montagsdemo hieß es, dass ein Mitglied von der SPD und Tom Adler bei einer Mieterinitiative-Veranstaltung eingeladen waren. (Angeblich sollen aber 2 Gemeinderäte von den Linken früher gegangen sein. Etwas nebulös, das Ganze)

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Mir wird manchmal gesagt: „Ach, du Träumer…“

Axel, langjähriges Mitglied und Aktivist bei den SeniorInnen gegen Stuttgart21, kandidiert zum ersten Mal für ein politisches Amt im Gemeinderat Marbach und im Kreistag. Hier seine Kurzvita und seine Motivation für diesen Schritt:

Axel Sauter, 68 Jahre, 3 erwachsene Kinder, seit 1993 wohnhaft in Rielingshausen. Ehemaliger Beruf: Maschinenbauingenieur. Aktuell: stundenweise Arbeit für die Diakonie (Essen auf Rädern und Betreuung). Mitglied im ADFC Marbach, im Asylkreis Marbach, in der DFG-VK  (Friedensgesellschaft)’und natürlich in der BI gegen eine Steinbrucherweiterung.

Ich bin nicht Mitglied einer Partei und kandidiere zum ersten Mal für ein politisches Amt und zwar für PULS im Gemeinderat und für Die Linke im Kreistag. PULS steht für einen kostenfreien Kindergarten. Wir lehnen jede weitere Flächenversiegelung im Außenbereich ab (Konkret bedeutet das, Ablehnung eines neuen Baugebietes im
Keltergrund). Wir verweigern uns jedem Straßenneubau (Das heißt, keine Südtangente in Marbach, die nur Verkehr von der Kronenkreuzung zum König-Wilhelmplatz verlagern würde). Wir lehnen jede Privatisierung öffentlicher Daseinsvorsorge wie Wasserversorgung und Abwasser ab, und streiten für einen Rückkauf der Gasversorgung. Wir lehnen die geplante Gartenschau ab, unter anderem weil sie zusätzlichen Autoverkehr generieren würde, und natürlich auch zusätzliche Parkplätze gebraucht würden. Wir plädieren dafür, zu gegebener Zeit einen Bürgerentscheid dazu durchzuführen.

Wir setzten uns für eine fußgänger- und fahradfahrerfreundliche Stadt ein, d.h. für eine
autofreie Innenstadt und gegen ein neues Parkhaus an Stelle des alten Kinos.
Generell sollte bei jeder Entscheidung, sei sie politisch oder privat, die Endlichkeit unseres Planeten bedacht werden. Spätestens seit dem ersten Bericht des Club of Rom 1972, sollte eigentlich jedem klar sein, dass ewiges Wachstum in einer endlichen Welt nicht geht. Doch was ist inzwischen passiert? Der Autoverkehr nimmt zu, Flugreisen nehmen zu, täglich werden zig Fußballfelder wertvolles Ackerland versiegelt, usw. Es scheint so, als ob wir so weitermachen wollten.

Ein Beitrag von Hendrik Lüdke im Gemeinderat bringt es auf den Punkt:
In der Europäischen Union werden jährlich rund 1.000 Quadratkilometer Boden durch Landnahme und Landnutzungsänderungen zerstört. Das ist eine Fläche, auf der Getreide für fünf Millionen Menschen angebaut werden könnte. Wir Europäer nutzen bereits zur Hälfte Böden außerhalb der EU, um unseren eigenen Lebensmittel – und Rohstoffbedarf zu decken. Und durch den Flächenfraß wird dieser Anteil höher und höher. Die EU ist ein Bodenfresser, ein Ressourcenräuber in eigenen und fremden Territorien. Wir leben auf Kosten anderer … Und dazu tragen wir, trägt jede Kommune durch weitere Flächenverbräuche bei, undbeklagen uns gleichzeitig über Fluchtbewegungen, die Europa als Ziel haben…. Die Flüchtlinge sind sichtbares Zeichen unseres unsolidarischen Lebensstiles. Unter anderem deshalb arbeite ich auch im Asylkreis Marbach mit und unterstütze eine Familie aus dem Irak und eine aus Syrien. Es ist eine Binsenweisheit, dass wir nicht allen helfen können, aber ich finde es zynisch zu sagen, wir können nicht allen helfen und gleichzeitig nicht damit aufhören Unheil auf der Welt zu verbreiten.

Was unseren Steinbruch betrifft, so steht PULS von Anfang an gegen eine Erweiterung. Inzwischen ist das ja Konsens im Gemeinderat. Wie sich die entsprechenden Fraktionen im Regionalparlament verhalten werden, ist eine ganz andere Sache. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an den Bundestagswahlkampf 2005, in dem eine Partei eine Mehrwertsteuererhöhung verhindern wollte und die andere 2% Erhöhung forderte. Der Kompromiss war dann 3%. In unserem Fall könnte dann ein Kompromiss aus zweimal Nein ein Ja sein. Wir müssen wachsam bleiben. Deshalb finde ich es gut, dass wir das regelmäßig durch unsere Besuche bei der Regionalversammlung zeigen.

Was ich sonst noch mache:
– regelmäßige Teilnahme an den Montagsdemos gegen S21. Die Bahn hat tausende Kilometer Gleise abgebaut, S21 ist ein Rückbau des Schienenverkehrs. Die Bahn tut alles um den Schienenverkehr zu zerstören, versenkt Unmengen an Beton im Untergrund und zwingt die Menschen das Auto zu nutzen, was wiederum Unmengen Stein für den Straßenbau benötigt.

– Teilnahme an den jährlichen Demos zum Jahrestag der Fukushima-Katastrophe in Neckarwestheim. Wir sind hier in der Todeszone. Der sogenannte Atomausstieg ist keiner: In Karlsruhe wird an einer neuen Generation Reaktoren geforscht und die Brennelementefabrik Lingen darf auch nach Abschaltung des letzten AKWs in Deutschland weiter für die ganze Welt produzieren.

– Teilnahme an Friedensdemos
– gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr
– gegen Waffenexporte
– gegen Africom in Stuttgart, von wo die Drohnenmorde in Afrika koordiniert werden
– Büchel-Blockade (deutsche Piloten üben dort den Atombombenabwurf)

Mir wird manchmal gesagt, ach du Träumer. Ja, ich träume vom Überleben der Menschheit und freue mich über die Schüler, die sich freitags weltweit für ein Überleben von Mensch und Natur einsetzen.

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Südflügel: Neue Baustellenzufahrt für LKWs und noch mehr Dreck und Staub am Hauptbahnhof

Neue Baustellenzufahrt!

S21-Gegner*innen sind jeden Dienstag am Hauptbahnhof und an der Schillerstraße und treffen sich dort zum so genannten „Frühstück am Bauzaun“. Dadurch sehen sie auch sehr schnell Veränderungen an der Großbaustelle S21. Wie Ernest und seine Mitstreiter*innen mitteilen, ist seit kurzem eine neue Einfahrt für LKW-Transport etc. eingerichtet worden. Dadurch wird der Verkehr am und zum Hauptbahnhof noch um eine weitere Baustellenzufahrt erweitert und bringt noch mehr Dreck und Staub in die Innenstadt. Nachstehend einige Fotos von der neuen Zufahrt, direkt am Südflüger des Stuttgarter Hauptbahnhofs  sowie ein Kurzbericht vom 30. April:

Dienstagmorgen: Neue Zufahrtstraße mit Baustellentor am Südflügel. 4 Aktivist*innen standen dann auch am frühen Morgen prompt davor und blockierten die Ein- bzw. Ausfahrt. Das Tor wurde  schnellstens von einem Pförtner zugemacht (!). Ein LKW-Fahrer, der reinfahren wollte, aber nicht konnte, ging wieder in sein LKW-Führerhaus zurück telefonierte und fuhr dann wieder los – wahrscheinlich dann zum Eingang Wolframstraße.

 

 

 

 

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Wahlwerbung oder „Ehrenrettung“?

„Stuttgart 21 ist ein politisches Projekt!“ Echt??? Man hört und staunt. Und diese sensationelle Neuigkeit verkündet auch noch der SPD-Ortsverein (welcher?). Oder soll das jetzt ein Witz sein? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Hier die komplette Rede:

Das „Tunnelgebirge“ – Eine seit mehr als hundert Jahren in aller Welt bewunderte Ingenieurleistung

Rede von Dr.rer.nat. Hans Peter Münzenmayer, Technikhistoriker, gehalten von Dr. Norbert Bongartz, auf der 462. Montagsdemo am 29.4.2019

Liebe Bewunderer einer nachhaltig funktionierenden Technik!

Ich komme nun wieder mit der alten Leier, mögen Sie stöhnen, da ich das Thema auf allen Schauplätzen bereits behandelt habe. Aber ich bringe aus dem SPD-Ortsverein eine ganz neue Erkenntnis mit: Stuttgart 21 ist ein politisches Projekt!

Es passt ja ins Bild, gewisse politische Erwartungen mit dem Projekt zu verknüpfen. Sobald es aber konkret ans Bauen geht, nützt die Politik gar nichts mehr, denn es ist leider gar nicht bekannt, mit welchen politischen Mitteln man ein Bauwerk standsicher, betriebssicher oder zweckmäßig machen kann. Hinter dem Polit-Argument könnte sich die landläufige Ansicht verstecken, in der Technik gäbe es immer verschiedene Möglichkeiten, es müsse nur der politische Rahmen stimmen.

In der Tat, es existieren in der Technik oft unterschiedliche Lösungen, immer aber sind sie sinnvoll und notwendig innerhalb eines größeren Zusammenhangs. Diesen Zusammenhang zu erkennen oder wo notwendig herzustellen, indem man alle Anfangsbedingungen berücksichtigt, nennt man Planung. Bestgeplant würde also allenfalls ein Projekt heißen, bei dem alle Voraussetzungen bekannt, geprüft und in der Zielsetzung beherrschbar sind. Nennen wir einmal einen derartigen Prüffall: Ist im Schwemmland des Neckars sicher mit zusitzendem Grundwasser beim Tunnelbau zu rechnen?

Als 1907 die Umgestaltung der Stuttgarter Eisenbahnanlagen beschlossen wurde, geschah dies aus der Notwendigkeit heraus, den Hauptbahnhof für das gestiegene Verkehrsaufkommen zu erweitern. Die Planung verstieg sich nicht in ein hastiges Größer, Schneller. Außerordentlich weitblickend gingen schon die frühen Überlegungen von einer durchgehenden Trennung der Funktionen aus. Grundsätzlich sollten die Reisenden vom Technikbetrieb nicht gefährdet oder belästigt werden – im alten Bahnhof lagen die Lokomotivdrehscheiben in der Bahnsteighalle. Ebenso waren Personen- und Güterverkehr zu trennen und schließlich – ganz entscheidend – sollten Fernverkehr und Nahverkehr auf jeweils eigenen Fahrstraßen ohne jegliche schienengleiche Kreuzung verkehren. Wir lassen hier Abstellbahnhof und Lokomotivbahnhof ebenso beiseite, wie die Maßnahmen bei den Rangierbahnhöfen.

Sicherheit und Orientierung der Reisenden gewährte das neue Bahnhofsgebäude: die Gleise 1 bis 4 sind für den Nahverkehr Richtung Cannstatt und Feuerbach vorgesehen, 5 und 6 für die Gäubahn, auf den Gleisen 7 bis 14 (später 16) verkehren nur Fernzüge, auch Durchgangszüge. Natürlich war bei den ersten Vorplanungen auch der Sprickerhof-Entwurf für einen Durchgangsbahnhof erörtert worden – nein: berechnet worden hinsichtlich der Kosten und der Reisezeiten. Die Abgeordneten vertrauten ganz ihren weitblickenden Planern und lehnten den Durchgangsbahnhof ab, da selbst heute noch die überwiegende Zahl der Zugreisen in Stuttgart beginnt oder endet und selbst der Lokomotivwechsel weniger Zeit kostet als das Ein- und Aussteigen und Gepäck umladen.

Die größte Herausforderung in der Verkehrsführung lag bei der Brauerei zum Englischen Garten, also zwischen der heutigen U-Bahn-Haltestelle Budapester Platz und dem UFA-Kino. Die Topographie Stuttgarts erfordert, dass alle Züge von der „Centralstation“ über die Hauptstrecken Richtung Cannstatt oder Feuerbach verkehren. Allein die Gäubahn, die noch heute vielfach bewunderte Panoramabahn, führt in weitem Bogen über die Höhen Stuttgarts nach Vaihingen. Nach Cannstatt fallen die Gleise, nach Feuerbach steigen sie zunächst ähnlich wie die Gäubahn, unterfahren aber dann in der Nähe des Nordbahnhofs die Gäubahn. Auf Grund der Höhenverhältnisse kommt die Gabelung zwischen dem Cannstatter und dem Feuerbacher Ast gerade an die engste Stelle beim Englischen Garten zu liegen, wobei gleichzeitig die Überführung der Gäubahn beginnt. Die Stelle ist aber nur deshalb so eng, wenn man den unteren Schlossgarten schonen und die Geländeformation nicht mit brachialer Gewalt verändern will.

Für die Ingenieure Karl Schaechterle von den Staatsbahnen und Emil Mörsch von der Industrie ist die Rücksicht auf die Stadtstruktur selbstverständlich. Sie sahen sich deshalb vor die Aufgabe gestellt, 10 Streckengleise, 2 Gütergleise und weitere Verbindungsgleise zum Betriebs- und Abstellbahnhof auf dem Rosenstein in ganz verschiedenen Höhenlagen ausgerechnet an der engsten Stelle unterzubringen. Die sensationelle Lösung: „Auf dem engen Raum von kaum 100 Meter Breite werden 19 Gleise mit Höhenunterschieden bis zu 12 Meter neben, über und unter einander hinweg geführt.“ Wohlgemerkt, ohne eine einzige schienengleiche Kreuzung.

Als Schaechterle 1914 in der Deutschen Bauzeitung das Bauwerk vorstellt, ist er sich vollkommen darüber im Klaren, dass es sich um „eine in der Geschichte der Eisenbahn-Technik wohl einzig dastehende Anlage“ handelt. Auch Emil Mörsch, die damals unbestrittene Autorität auf dem Gebiet des Stahlbetonbaus, spricht im selben Jahrgang der Deutschen Bauzeitung vom „kühnsten Bauwerk…, welches bisher für Eisenbahnbetrieb…überhaupt hergestellt worden ist“. Man kann das ganze „neben, über und unter“ der ein- und ausfahrenden Züge und einzelner Lokomotiven noch recht gut in der Nähe des Budapester Platzes beobachten. Auch der gute Bauzustand des Stahlbetonbaus ist gut ablesbar nach seiner über hundertjährigen Bewährung.

Das Tunnelgebirge, wie das Bauwerk nun volkstümlich genannt wird, ist aber nicht nur ein weltweit bewundertes Meisterwerk des Stahlbetonbaus. Es ist das Monument einer umsichtigen, von größtem Sachverstand geleiteten Planung, in der alle Gesichtspunkte wie stadträumliche Einordnung, Zugverkehr, Bedürfnis der Reisenden und zukünftige Entwicklung Eingang gefunden haben. Das Tunnelgebirge hat von Leuten mit Verstand und Sachkenntnis höchstes Lob erfahren, alle Urteile haben sich in fachmännischer Auseinandersetzung mit der Materie gebildet. Von politischer Seite sind keine unqualifizierten Äußerungen bekannt geworden von dem Kaliber: „Es geht doch nur um einen Bahnhof.“ Nein, es geht um unsere Kultur!

Spätestens seit dem 2. Weltkrieg ist die Vernichtung der Kultur des Kriegsgegners ein erklärtes Ziel. Wer aber die Befürworter von Stuttgart 21 in Parteien, Parlamenten und Regierungen sitzen hat, braucht keine äußeren Feinde mehr!

 

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Lauter Schweinereien! Geschichten aus dem mediacenter

Inspiriert von den Memoiren (medacenter) des Obenbleibers Ernest. Eine wahre Geschichte.

Ging einmal ein Sprecher der DB in Sachen S21, anno 2011, an einem Sonntag auf dem Schlossplatz spazieren. Schönes Wetter. Gute Laune allerseits. Traf er dort seinen Widersacher und Kopfbahnhof21-Obenbleiber Ernest.  Der Sprecher, der Wüterich, kannte Obenbleiber Ernest schon von zahlreichen Protesaktionen gegen S21 her und begrüßte ihn mit ein paar passenden oder unpassenden Bemerkungen. Aber als der Ernest wieder einmal nicht das Maul halten konnte und ihn auf das Unsinnsprojekt S21 hinwies, rastete er aus und schrie: Du Drecksau, du alte!“. Was Ernest natürlich kränkte und er prompt Anzeige erstattete. Natürlich wurde das Verfahren eingestellt. Der ehemalige Sprecher wütet jetzt ganz woanders, aber auch auf dem absteigenden Ast, hoffentlich.

Aus den Akten:

Dem Beschuldigten wird in der Anzeige des Ernest Petek vorgeworfen, ihn am 27.07.2011 gegen 16.15 Uhr auf dem Schlossplatz mit „Du Drecksau, du alte“ beleidigt zu haben.Die bisherigen Ermittlungen haben keinen für die Anklageerhebung hinreichend sicheren Tatverdacht ergeben. Der Beschuldigte bestreitet sowohl die Äußerung, als
auch überhaupt zur Tatzeit am Tatort gewesen zu sein. Die Einlassung, sich in seinem Büro befunden zu haben, kann nicht widerlegt werden. Wenn Aussage gegen Aussage steht, sind regelmäßig außerhalb der Zeugenaussage liegende gewichtige Gründe zu nennen, die es ermöglichen, der Zeugenaussage im übrigen dennoch zu glauben …Derartige Gründe, die die Angaben des Anzeigeerstatters bestätigen, sind vorliegend nicht ersichtlich. Unter diesen Umständen ist für die Erhebung einer öffentlichen Klage kein Raum. Das Verfahren war nach § 170 Abs. 2 StPO einzustellen.

Und Obenbleiber Ernest weiß inzwischen auch, dass O Sancta Justizia manchmal leider mit zweierlei Maßen misst.

Schon fast wie aus der Welt der Oper:

Bild könnte enthalten: 1 Person, Text

Und hier erfährt man mehr: Mediacenter von Ernest https://c.gmx.net/ernest.petek@gmx.de/V5ktahrqTneMEH2Rp28pFw/369031058512943857