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Büchel – oder wie ich nicht lernte, die Bombe zu lieben

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Büchel? Schon mal den Namen gehört?“ – „Ja, schon, aber so genau kann ich das auch nicht richtig einordnen. Hat das etwas mit Atomwaffen zu tun oder so?“Also mal ganz ehrlich: So erging es mir vor kurzem, als Axel, das nimmermüde Mitglied der Gruppe der SeniorInnen gegen S21,  mitteilte, dass er an einem Samstag in Büchel bei einer Veranstaltung gegen US-Atomwaffen in Deutschland teilnehme. Nach einigem Rumgoogeln hatte ich dann  Informationen, die mich nicht mehr ganz so unwissend zurückließen. Der Grund für die Demos liegt circa acht Meter tief in der Erde, in Bunkern auf dem benachbarten Fliegerhorst der Bundeswehr, streng bewacht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich dort die letzten amerikanischen Atomwaffen auf deutschem Boden befinden. Bis zu 20 Bomben vom Typ B61, die Sprengkraft größer als die der Bombe von Hiroshima. Im Ernstfall sollen deutsche Tornados die Bomben zum Ziel bringen. Genaueres ist nicht bekannt, von Seiten der Bundesregierung gibt es offiziell dazu keine Auskunft.

Geschichtliches gefällig? 1141 wird das auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde liegende Martental erstmals urkundlich als Mönchskloster erwähnt. Um das Jahr 1238 wird ein Hof zu Morschweiler in den Analen aufgeführt. 1794: Besetzung durch französische Revolutionstruppen. 1815: Auf dem Wiener Kongress wurden die Orte dann Preußen zugeordnet. Seit 1946: Büchel ist Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Übrigens: 2012 waren 84,7% der Einwohner katholisch und 5,7% evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion (?) an oder waren konfessionslos. Der Fliegerhorst Büchel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der französischen Besatzungsarmee gebaut und 1955 an den Bund übergeben. In den Bunkern des Standortes Büchel werden etwa 20 US-Atomwaffen des Typs B61 gelagert. Seit Juli 2007 ist der Fliegerhorst damit der einzige Standort in Deutschland, an dem sich Atomwaffen befinden.

Und nun nachstehend die Info von Axel:

Hallo zusammen,

 habt ihr eigentlich was in den Nachrichten oder Zeitungen darüber gelesen, dass seit letzten Donnerstag die zweite Runde von Atomverbotsverhandlungen läuft und Deutschland nicht teilnimmt?  https://www.ippnw.de/startseit

Ich war von letztem Montag bis Samstag beim Fliegerhorst in Büchel.Es gab viele Begegnungen und Aktionen:

  •  Blockaden
  • Mahnwachen jeden Tag von 6 – 7:30 und 15:30 – 17Uhr
  • Flyerverteilen und Unterschriften sammeln in den umliegenden Dörfern
  • Substitutionstherapie für Bomber: Bit statt Bomben (teilnehmen können alle Soldaten und Freunde der Atombombe, aber nur bei gleichzeitiger Teilnahme  an einer Selbsthilfegruppe)
  • Empfang eines Robin Wood Floßes gegen Atomtransporte in Cochem (Eichhörnchen war auch auf dem Floß)´
  • Grab him by the nukes

 Hier ein paar Bilder von meinem Aufenthalt in Büchel:  https://c.web.de/@337949681155834532/OHpjPlB5QTOPpsTNmMhyoQ

Gruß Axel

ps: Dazu passt auch https://de.wikipedia.org/wiki/Dr._Seltsam_oder:_Wie_ich_lernte,_die_Bombe_zu_lieben   Vor allem für ein paar grundlegende Infos zu Büchel ist diese Webseite interessant:    http://www.atomwaffenfrei.de/

Ergänzung zur Info von Axel:   In der STZ und in der STN von heute habe ich nichts gelesen. Übersehen? Zumindest hat SWR aktuell gestern einen Beitrag gesendet und einen Artikel dazu online gestellt.

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Herwegh im Rathaus? – Eine Abrechnung

Georg Herwegh - Spitzweg Max1-BM-Berlin-Hannover-jpgIm Gejubel über den gelungenen Herwegh-Abend im Rathaus am 24. Mai 2017 zum 200sten Geburtstag von Georg Herwegh sind vielleicht einige kritische Stimmen zu dieser Veranstaltung untergegangen. Aber Axel, ein Mitglied der Gruppe der SeniorInnen gegen S21, hat sie umso lauter erhoben. Nachstehend deshalb sein Kommentar dazu:

„Haa, haa, haa, Peter. Du wirst immer besser. Meine Oma Schäufele aus Kaltental, Gott hab sie selig,du weißt schon, hätt sich totgelacht, wenn sie’s nicht schon wäre. Die Vorstellung ist ja auch zum Schießen: „Georg Herwegh feiert mit Fritz Kuhn im Rathaus“. Apropos schießen, vielleicht hätte Fritz Kuhn seinen Freund mit seiner Deutschen Legion nach Afghanistan geschickt um die Sicherheit am Hindukusch zu verteidigen. Er schrieb ja schon 2007 folgendes:

„Ich werde heute im Bundestag bei der Abstimmung über das Isaf Mandat und die darin
enthaltenden TornadoAufklärungsflugzeuge, … mit Ja stimmen. Der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr im Rahmen des IsafMandates ist notwendig, um Entwicklung und Sicherheit gemeinsam zu gewährleisten. …Wir Grünen haben ein militärisch abgesichertes, aber auf politische Stabilisierung und zivile Entwicklung ausgerichtetes Vorgehen von Anfang an unterstützt. Und es gibt Erfolge: das afghanisch Volk hat eine Regierung frei gewählt, etwa sieben Millionen junge Menschen besuchen Schulen und Unis, Straßen und Infrastruktur werden langsam aufgebaut“.

Ja! und deshalb wünschen wir unseren afghanischen Gästen eine gute Heimreise und viel Erfolg in der Schule und an der UNI. Aber vielleicht hätt der Herwegh gar nicht nach Afghanistan müssen. Der Fritz hätte ihm vielleicht erzählt, dass ihm Recherchen zum Einsatz von Drohnen in der Verantwortung von AFRICOM bekannt seien, ob die stimmen, könne er zwar nicht sagen, aber er, der Georg, könne ja mal in die USA fliegen und dort die Möglichkeit des ferngesteuerten Schießens erkunden. Das ist ja auch viel sauberer, keine Blutspritzer auf der Uniform und so. Übrigens, aus gut unterrichteten Kreisen ist durchgesickert, dass Fritz Kuhn, ganz im Geheimen,aber brutalstmöglich, die Sache mit AFRICOM und den Drohnen aufklären will. Dazu empfing er den Kommandeur des EUCOM General Breedlove am 24.4.2014 im Rathaus und ließ ihn mit dem Satz „Thank you for your great partnership“ ins Goldene Buch der Landeshauptstadt eintragen. Wenn Herwegh heute noch lebte, wäre er ja praktisch Kollege von Breedlove gewesen. Der EUCOM-Chef, der unter anderem im Kriegsfall die Atombomben in Büchel und Incirlik befehligt, wäre gegen solch peinliche Pannen wie sie Herwegh passierten, gut gewappnet.

Jaja, es gibt schon viele Gemeinsamkeiten zwischen Kuhn und Herwegh. Fritz Kuhn hat  ja praktisch auch deutsche Legionen in Marsch gesetzt, selbst mitmarschiert ist er allerdings nicht. Er hat das ganz bequem und ungefährlich aus seinem Bundestagssessel gemacht, in dem er dafür stimmte bis zu 400 Soldaten sowie Patriot-Flugabwehrraketen an die syrische Grenze in die Türkei zu verlegen. Des Weiteren hat er gestimmt: für den AWACS-Einsatz in Afghanistan, 2 x für die Verlängerung des Kosovo-Einsatzes, für den Kampf gegen Piraten, 2 x für den Bundeswehreinsatz in Darfur, einmal im Kongo, 2 x für die Verlängerung des Libanoneinsatzes, mehrmals für die Verlängerung des Afghanistaneinsatzes. Es täte mir leid, wenn ich eine weitere Heldentaten übersehen hätte.

Deine Vision von Herwegh mit den „renitenten Bürgerinnen auf dem Monte Scherbelino“ der Geschichte, die hat was. Da lauschen die doch ganz andächtig und still der „launigen Ansprache“ Fritz Kuhns zu Herweghs Geburtstagsfeier. Keine Buh-Rufe, kein „Oben-Bleiben“-Rufe, nein, nichts, rein gar nichts. Es wächst zusammen was zusammengehört. Der Fritz Kuhn ist ja auch ein ganz kritischer Begleiter, da braucht man keine Bürgerbegehren, deshalb stimmte er mit den Befürwortern von Stuttgart 21 gegen zwei dieser, langsam zur Plage werdenden, Bürgerbegehren. Irgendwie hab ich das Gefühl hier stimmt etwas nicht. Vielleicht hätte der Herwegh diesen „renitenten Bürgerinnen“ in den A…. getreten und sie wieder aufgeweckt und sie hätten zusammen den Ratssaal geräumt. Natürlich nach 3maliger Ankündigung; so verlangt es das
Versammlungsgesetz. Die Rathausbesetzung damals, du weißt noch, die wäre bestimmt im Sinne Herweghs gewesen.

Nix für ungut und oben bleiben“

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Ach, Georg! – Eine Lobpreisung

https://i1.wp.com/www.georgherwegh-edition.de/data/kundendaten/54317/150451_3_1843.jpg

Am 24.Mai hatten die Anstifter zu einer Geburtstagsfeier von Georg Herwegh ins Rathaus eingeladen. „Der Stuttgarter (so schreibt Peter Grohmann im Vorwort zu seiner Festschrift), dem wir mit diesem Buch Reverenz erweisen, war Revolutionär, radikaler Demokrat und Europäer. Georg Herwegh war einer der wichtigsten Vertreter des Vormärz und neben Heinrich Heine und Ferdinand Freiligrath einer der populärsten deutschsprachigen Dichter seiner Zeit…“ .  Ein ausführlicher Bericht auf der Anstifter-Seite von Hermann Zoller: https://www.die-anstifter.de/2017/05/georg-herwegh-zum-200-geburtstag/#more-32800. Hier mein Kurz-Bericht:

Die Einladung

Der große Saal im Rathaus war mehr als gut besucht – kein Stuhl war leer. Die später kommenden Besucher mussten sich an den Seitenstufen platzieren. Ja, und das alles wegen Georg Herwegh. Dafür, dass er damals ein weit über die Grenzen Württembergs berühmter Literat, Dichter, Freiheitskämpfer und dazu noch Stuttgarter war, ist er eigentlich heute nicht mehr so sehr bekannt. Zumindest hatte ich diesen Eindruck, als ich Freunde und Bekannte zu der Veranstaltung der Anstifter am 24. Mai einlud. Und der Chor Avanti Comuna Kanti, bei dem auch ich und  einige SeniorInnen gegen S21 mitsingen, war eingeladen worden, sich am Programm mit einigen Liedern zu beteiligen.

Eingebettet im üblichen Rahmen – aber mit highlights

Der Programmablauf sprengte nicht gerade den herkömmlichen Rahmen und war deshalb so im Ablauf gestaltet, wie es bei ähnlichen und besonders auch offiziellen Veranstaltungen dieser Art halt üblich ist.  Das heißt also: Begrüßung – Festansprache mit Lebenslauf des zu Ehrenden – Lieder und Texte – Verabschiedung der Zuhörer und Danksagung mit anschließendem Umtrunk und geselligem Beisammensein.

Aber es war einfach hervorragend, wie Barbara Stoll und Timo Brunke einem die Texte und Gedichte von Georg Herwegh nahebrachten. Eine tolle Leistung, auch vom Chor Avanti Comuna Kanti, der unter anderem das Bundeslied „Bet‘ und arbeit‘ “ vortrug. Ein Lied mit der alleits bekannten Verszeile „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“, dessen Inhalt auch heute noch relevant ist.

Oho! OB Kuhn spricht vom Revolutionär Herwegh

OB Kuhn hielt die Festansprache. Und als ich ihm so zuhörte, wie geradezu begeistert (!) er über den Revolutionär und Freiheitskämpfer Herwegh sprach, konnte ich kaum glauben, dass dies  d e r  Kuhn war, der als OB in Stuttgart das Sagen hat. So engagiert hatte ich ihn noch nie reden gehört,  seitdem er Oberbürgermeister von Stuttgart wurde. Und noch nie war es so klar für mich, wie doch das Reden und das Handeln danach zwei verschiedene Dinge sein können.

Ich will ein guter Bürger werden …“

Ja, Herwegh musste als sogenannter „Fahnenflüchtiger“ aus seinem Land fliehen. Auch Schiller musste flüchten.  So also ging Württembergs Obrigkeit mit ihren aufmüpfigen Untertanen um! Ein schaler Nachgeschmack bleibt.  Aufmüpfige Stuttgarter? Honi soit qui mal y pense…  Und hier noch einige Zeilen aus Herwegs Gedicht über Spießertum und Anpassung:

„… Gewiss, man tobt sich einmal aus –
es wär ja um die Jugend schade –
Doch, führt man erst sein eigen Haus,
so werden Fünfe plötzlich grade.
In welcher Mühle man uns mahlt,
das macht uns nimmer viel Beschwerden.
Der ist mein Herr, der mich bezahlt -,
ich will ein guter Bürger werden …

Georg Herwegh - Muehlberg_05_oalteburschenherrlichkeit

Der „gute Bürger“, seiner wilden Zeit gedenkend!

 

Noch mehr Bilder und Berichte über Georg Herwegh, u.a. von Karl Marx, mit dem er befreundet war: http://ciml.250x.com/archive/literature/german/herwegh/georg_herwegh.html

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Ernest verurteilt!

Mit Spannung versammelten sich zahlreiche Zuhörer heute morgen im Saal 103 beim Amtsgericht, um bei der Verhandlung gegen Ernest wegen „falscher Verdächtigung“ dabei zu sein. Über 3 Stunden dauerte diese Verhandlung, die dann überraschend negativ zu Ende ging: Ernest wurde mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 10 Euro „verdonnert“.  Für uns alle kam das dann doch sehr überraschend, da wir eigentlich fest davon überzeugt waren, dass Ernest freigesprochen oder die Anklage fallen gelassen bzw. das Verfahren eingestellt würde.  Pappendeckel! Näheres von der Verhandlung folgt noch, sobald ich mein  Steno entziffert habe.

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Nach zwei Tagen Erzwingungshaft: Unser Ernest ist wieder frei!

Ernest wurde gestern gegen 13 Uhr aus der Erzwingungshaft entlassen. Um 13.20 Uhr war es soweit: Die Tür öffnete sich und Ernest trat heraus. Dafür, dass er wieder in Hungerstreik getreten war, sah er aber noch recht gut aus. Ernest ist halt schon hart im Nehmen! Aber er lässt auch nicht locker! Jedenfalls haben wir uns alle umarmt und uns sehr gefreut, ihn wieder bei uns zu haben. Ernestine hatte noch einen Begrüssungstrunk mitgebracht, das war dann das absolute Abholungs-Highlight!

Morgen geht der Stress allerdings weiter: Denn Ernest hatte ja den LKW-Fahrer angezeigt, der ihn grob vor dem LKW wegzerren wollte und ihn dabei verletzt hatte. Die Anzeige wurde niedergeschlagen. Statt dessen wurde Ernest selbst angezeigt wegen „falscher Verdächtigung“. So gehts einem! Die Verhandlung ist morgen um 9 Uhr vor dem Amtsgericht. Man/frau darf gespannt sein aber auch wütend! Ernest freut sich sicher  s e h r  über ein solidarisches „Beisammensein“!

Schnell noch ein Selfie vor der JVA, aber dann nix wie weg!

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Ernest wird heute entlassen!

Gerade kommt die Nachricht, dass Ernest heute gegen 13 Uhr aus Erzwingungshaft in der JVA Stammheim entlassen wird.

Kleiner Ausflug bei dem schönen Wetter?

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Ernest wieder in Erzwingungshaft!

Ernest, einer unserer aktivsten Mitstreiter für einen Kopfbahnhof 21 (also kein S21-Gegner, sondern ein K21-Befürworter – darauf legt er Wert), sitzt seit gestern wieder „im Bau“.

Am Freitagmittag hatte er sich zum Polizeirevier Wolframstraße begeben und wurde von dort aus gleich zur Hahnemannstraße überführt. Wohin er dann hingebracht wurde und für wie lange er letztendlich im Knast sein muss, war seiner knappen Mitteilung auf dem Anrufbeantworter nicht zu entnehmen. Auch unsere Bemühungen, heute, also am Samstag, telefonisch Näheres beim Polizeipräsidium in der Hahnemannstraße zu erfahren, waren fruchtlos – aus Gründen des Datenschutzes. Immerhin wurde uns empfohlen, sich beim Polizeirevier Stuttgart-Mitte zu erkundigen, und zwar persönlich. Aber auch dort konnte uns nicht weitergeholfen werden, denn Ernest‘ Einlieferung war im Computer nicht einmal dokumentiert – man wusste also schlichtwegs nix. Es wurde uns angeraten, am Montag nochmal nachzufragen, dann vielleicht direkt in Stammheim, wenn er in der Zwischenzeit nicht wieder aufgetaucht wäre, da samstags eh niemand da wäre. Die Nachfrage in Stammheim verlief natürlich negativ (Datenschutz) und außerdem, wurde mitgeteilt, solle man die Webseite aufrufen, wo alles Wichtige drin stehen würde. Schluss fertig. Also sind wir so gescheit wie vorher.

Jetzt hoffen wir mal sehr, dass Ernest am Sonntag wieder entlassen wird und nicht noch 20 Tage angehängt werden für eine anderen Strafsache, die ebenfalls noch anhängig ist. Das wäre wirklich eine Katastrophe, denn Ernest will auf jeden Fall in Hungerstreik treten und auch nichts Trinken.

Nachstehend noch die Pressemitteilung der SeniorInnen gegen S21,  die an mehrere lokale Zeitungen und Blättle (wie STZ und STN!) geschickt wurden. Auch auf BAA steht diese Pressemitteilung.

 

Pressemitteilung der SeniorInnen gegen S21 vom 19. Mai 2017

Seit heute Mittag ist ein Mitglied der Initiative der SeniorInnen gegen S21 für voraussichtlich zwei Tage in Haft. Ernest hatte eine Ladung zu zwei Tagen Erzwingungshaft erhalten und ist heute Mittag bei der Stuttgarter Polizei vorstellig geworden.

Grund ist eine Strafe über 75 Euro für seine Teilnahme am Frühstück am Bauzaun, das seit fast 7 Jahren jeden Dienstagmorgen vor der S21-Baustelleneinfahrt stattfindet. Im Dezember 2015 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Ernest und einem LKW-Fahrer. Obwohl eine andere Zufahrt zur Baustelle frei gewesen wäre, wollte der Fahrer die Einfahrt am Nordausgang des Bahnhofs erzwingen. Er fuhr mit seinem LKW langsam in Richtung Einfahrt und schob dabei Ernest etwa einen Meter, bis andere Kundgebungsteilnehmer den Fahrer zum Stoppen bringen konnten. Der LkW-Fahrer stieg dann aus dem Wagen und versuchte Ernest grob aus dem Weg zu zerren. Letztendlich räumte die Polizei die Einfahrt.

Bereits im April 2016 kam es zu einer Verhandlung vor dem Stuttgarter Amtsgericht. Ernest wurde zu einer Bußgeldzahlung von 75 Euro verurteilt, weil er nicht freiwillig von der Einfahrt weggegangen war. Die Richterin ließ Ernest bei dem Prozess nicht zu Wort kommen oder eigene Zeugen laden. Das ist rechtlich nicht zulässig, doch eine Rechtsbeschwerde ist erst ab einer Strafe von 250 Euro möglich.

Ernest erklärt dazu: „Statt mich wegen 75 Euro zwei Tage ins Gefängnis zu stecken, sollten die Behörden lieber den LkW-Fahrer, der mich, weil er keinen Umweg fahren wollte, fast überfahren und weggezerrt hat, rechtlich belangen. Ich engagiere mich für den Stuttgarter Kopfbahnhof und die Parkanlagen. Der Vorgang, wie es zum Beschluss einer Tieferlegung des Bahnhofs kam, ist verfassungswidrig. Und es ist meine Pflicht, die Menschen in Stuttgart über den Hintergrund und die Fehler des Projekts S21 zu informieren. Mir wurde vor Gericht unzulässigerweise das Wort verweigert und nur, weil meine Strafe so gering ist, kann ich dagegen nicht vorgehen. Deshalb werde ich keine Zahlung freiwillig leisten.“

Am Dienstag, 23. Mai, steht ein weiterer Gerichtstermin in dieser Sache an: Ernest hatte den LkW-Fahrer wegen Körperverletzung angezeigt. Diese Anzeige wurde allerdings nicht verfolgt. Stattdessen wird Ernest „falsche Verdächtigung“ des LkW-Fahrers vorgeworfen. Die Gerichtsverwandlung in dieser Sache ist am 23.5. um 9 Uhr im Amtsgericht, Sitzungssaal 103/1. OG.