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Ein Parkspaziergang – Bericht über den Demoaufzug am 8. Mai

Kriegsstadt Stuttgart Demo durch den Schlossgarten

Wer dachte, dass nur einige versprengte Montagsdemo-Teilnehmer beim Demonstrationsaufzug zum Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus am 8. Mai durch den Park mitlaufen würden, hatte sich erfreulicherweise getäuscht, wenn auch der Weg durch den leeren Park schon etwas triste anmutete. Aber im Unteren Schlossgarten wurde einem wieder drastisch vor Augen geführt, wieviel an Natur zerstört wurde – im Namen des Fortschritts.

Allein das Lustschloss ist noch eine Augenweide. „Hoffentlich kracht des net au no zamma“ meinte ein Demoteilnehmer und bezog sich damit auf die schon alltäglichen Detonationen, die durch die unterirdischen Sprengungen für Stuttgart 21 noch ganz in der Nähe zu spüren sind.

Wessen Interessen vertritt das Ordnungsamt?

Demoroute durch Park wird von Polizei durchgesetztZu verdanken war dieser erzwungene „Parkspaziergang“ dem Amt für Öffentliche Ordnung, der den ursprünglich angemeldeten Weg auf der B14 und der Neckarstraße nicht bewilligte und dafür den Demonstrationsaufzug durch den verschandelten Park anordnete mit der Begründung, dass das öffentliche Interesse an einem ungestörten Verkehrsverlauf überwiegen würde gegenüber dem Demonstrationsrecht des Anmelders und der damit verbundenen Interessen. Der genaue Wortlaut mit Schriftwechsel mit mehr Informationen steht auf dem Blog der SeniorInnen. Da stellt sich doch glatt die Frage: Wessen Interessen vertritt das Ordnungsamt?!

Nichtsdestotrotz hat sich der Demozug doch sehr gelohnt. Bei einer Kundgebung am Dunantsteg informierte nämlich der Journalist Franz Alt über die Zusammenhänge von Krieg, Öl und der Sicherung von Rohstoff-Ressourcen. In diesem Kontext wurde auch klar, wie eindeutig die Zusammenhänge zwischen Großkonzernen, Feinstaubbelastung und damit auch zum Projekt Stuttgart 21 sind.

Der Schriftwechsel zwischen dem Anmelder der Demo und dem Ordnungsamt

Das Stuttgarter Schuldbekenntnis

Wichtig war auch, dass Julia von Staden, die die Moderation bei diesem Zwischenstopp übernommen hatte, das Stuttgarter Schuldbekenntnis der Evangelischen Kirche vom 18. Oktober 1945 erwähnte. In diesem heißt es u.a. „Durch uns ist unsägliches Leid über viele Völker und Länder gebracht worden. Wir klagen uns an, dass wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.“ Und manchmal hat man den Eindruck, dass auch heute gern vergessen und schon gar nicht mutig bekannt wird (Ausnahmen bestätigen die Regel! Und ich denke da ganz besonders an die Theologinnen und Theologen gegen S21).

Danach ging es weiter zur Friedenskirche, wohin die Gesellschaft für Kultur des Friedens zu einer Veranstaltung zum Jahrestag geladen hatte. Hier hat sich wieder einmal gezeigt: Die Bewegung lebt und ist vielfältiger geworden. Die Kirche war total überfüllt. Viele bekannte Gesichter von der S21-Bewegung waren dabei. Man/frau schaut eben auch „über den Tellerrand hinaus“ (!) . Ein Bericht von Wolfgang Rueter vom Abend in der Friedenskirche folgt.

Und hier noch Fotos und mehr Infos vom „Stuttgarter Tagblatt„:

https://www.facebook.com/StuttgarterTagblatt/posts/1665810566792338?pnref=story

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Demozug durch den leeren Park – aber mit über 200 Teilnehmern!

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Demozug am Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus, 8. Mai, durch den leeren Park – danke Ordnungsamt! Aber immerhin laut StZ 200 Menschen (wohl eher 400!) dabei.

Die SeniorInnen sagen: DANKE an alle, die trotz schlechten Wetters und der unsäglichen Demoroute mit dabei waren!

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„Was hat um Himmelswillen S21, Öl und Feinstaub mit Krieg zu tun?!“

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Zu der gestrigen Veranstaltung am 8. Mai 2017, dem Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus, hat uns eine Seniorin aus der Gruppe der SeniorInnen gegen S21 den nachstehenden Bericht geschickt:

„Was hat denn um Himmelswillen Suttgart21 mit Feinstaub, Öl und Waffen zu tun?,“ hat mich neulich eine Passantin gefragt, als ich ihr den Flyer zu der Veranstaltung am 8. Mai in die Hand drückte. Ja geht‘s noch? Anscheinend sind manchen Menschen noch immer nicht die Zusammenhänge im großen Weltgeschehen klar. Genau so könnte man fragen: Was hat der Flüchtlingsstrom mit Krieg zu tun?

Tagtäglich bekommen wir die negativen Auswirkungen der Riesenbaustelle dieses unsäglichen Großprojekts zu spüren. Dreckige Straßen, immer neue Straßensperrungen und Umwege, geänderte Streckenführungen der S-Bahn. Und zum unteren Schlossgarten gelangt man nur nach einer Wanderung durch zerstörte Natur und bekommt dann die dreckigste Luft von Stuttgart zu atmen. Wer einmal erlebt hat, wie sich die unterirdischen Sprengungen zeitweilig auf die Atemluft auswirken, weiß, wovon ich spreche. Eine Seniorin gegen S21 hat uns Folgendes berichtet: „Ich war auf meinem Weg vom Hauptbahnhof in Richtung Urbanstraße unterwegs, als ich eine starke Detonation hörte. Der Boden unter mir zitterte. Eine riesige Staubwolke stieg von der S21-Baustelle hoch, die mir förmlich die Luft zum Atmen nahm. Ich dachte, ich müsste ersticken!“

Und nicht nur die jetzigen Arbeiten an der S21-Baustelle verpesten noch zusätzlich die Atemluft der Stuttgarter Menschen. Nein, es wird wahrscheinlich noch schlimmer kommen:

Die geplanten unterirdischen Gleise werden viel weniger Schienenverkehr bewältigen als der jetzige Kopfbahnhof! Und was das für den Straßenverkehr bedeutet, liegt wohl auf der Hand. Glaubt jemand allen Ernstes, dass dieses Riesenverkehrsaufkommen durch Elektrofahrzeuge bewältigt werden kann? Also werden die Benziner und die Dieselfahrzeuge noch mehr die Umwelt verpesten. Es kann doch nicht das Ziel von der grün-schwarzen Landesregierung und OB Kuhn sein, in Zukunft auf noch mehr Straßenverkehr zu setzen?! Für die Großkonzerne der Autostadt Stuttgart sicher ein Gewinn. Und für Benzin- und Dieselmotoren wird natürlich Öl benötigt. Viel Öl…

Und wer das Öl hat, hat die Macht. Und darum geht es doch bei den Kriegen!“

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Unrecht am Schwarzen Donnerstag – Kretschmann will sich entschuldigen

Thema am 15. Dezember,  beim Treffen der SeniorInnen gegen S21:

„Entschuldigungs-Treffen“ zum Unrecht am Schwarzen Donnerstag:

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die sechs Kläger, die beim Prozess zum „schwarzen Donnerstag“ vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart Recht bekommen hatten, zu einem Treffen eingeladen, um sich persönlich zu entschuldigen. Auch bei den SeniorInnen gegen S21 hat MP Kretschmanns Einladung für heiße Diskussionen gesorgt.

Jedoch halten die SeniorInnen es für falsch, auf diese Einladung so einzugehen und sich in der Villa Reitzenstein die Entschuldigung anzuhören. „Denn“, so die SeniorInnen gegen S21, „es stehen jeden Montag Hunderte, manchmal Tausende von Demo-TeilnehmerInnen auf der Straße ,um gegen Stuttgart 21 zu demonstrieren. Ein Großteil davon war auch am Schwarzen Donnerstag im Park, um gegen die Abholzung der Bäume zu protestieren. Hunderte von ihnen sind ebenfalls verletzt worden – an Leib und Seele. Die wenigsten von ihnen haben anwaltschaftliche Hilfe gesucht und Klage eingereicht aus welchen Gründen auch immer. Aber die Verletzungen sitzen auch bei ihnen bis heute noch tief. Wäre es da nicht angebracht gewesen, Herrn Kretschmann aufzufordern, seine Entschuldigung bei der Montags-Demonstration abzugeben? Dort, wo er selbst, vor seinem Regierungsamt, bei den Demonstrationen gegen S21 anwesend war und Reden gehalten hatte, dort, wo sich immer noch viele der damals beim Schwarzen Donnerstag im Park gewesenen Menschen jeden Montag treffen, um gegen den Bau von Stuttgart 21 zu demonstrieren. Und dort hätte er dann a l l e n sagen können, was er im kleineren , intimen Rahmen den 6 Klägern sagen will.

Natürlich ist eine Entschuldigung wichtig und richtig. Aber Ort und Zeitpunkt hätte man/frau nicht schon wieder den „Regierenden“ überlassen sollen. Dieser Meinung sind jedenfalls die SeniorInnen gegen S21.

Matthias von Herrmann hat auf BAA (Bei Abriss Aufstand) einen guten Artikel dazu geschrieben. http://www.bei-abriss-aufstand.de/2015/12/17/parkschuetzer-fordern-entschaedigung-fuer-alle-opfer/

 

 

 

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Rausschmiss der SeniorInnen gegen S21 aus dem Rathaus?

Letzten Freitag war es wieder zu „Beanstandungen“ seitens der Rathaus-Angestellten und zusätzlich noch einem CDU-Abgeordneten gekommen. Allen gemeinsam war, dass sie die freitägliche Rathaus-Aktion der SeniorInnen gegen S21 nicht mehr dulden würden, da sich schon viele Besucher daran gestört hätten. Zusätzlich wurde mit Polizei gedroht. Wir sind schon sehr gespannt!

Nachfolgend der Bericht von Ernest:

„SeniorInnen für K 21 – Gesprächsnotiz von der Sitzung am 28.07.2015

Das heutige Frühstück am Bauzaun wurde an der Schillerstraße und an der Baustellenzufahrt zum Tiefbahntrog gehalten.Um 9:30 Uhr haben wir uns, wie verabredet, am Rathaus getroffen, um den offenen Brief wegen der Rücknahme der Bußgeldbescheide an Dr. Martin Schairer zu übergeben. Da der Bürgermeister nicht anwesend war, haben wir den Brief im Vorzimmer an eine Mitarbeiterin übergeben. Auch der OB Fritz Kuhn war nicht zu sprechen, deshalb erfolgte die Briefübergabe an den Mitarbeiter im Vorzimmer.

Später haben wir uns im Parkschützer Büro getroffen und haben das Geschehen nochmals Revue passieren lassen. Danach wurde von unserer Abdeckaktion des Tischmodells im Rathaus berichtet. Am 24.07.2015 kam er Leiter vom Hauptpersonalamt Herr Reichert gegen 11:30 Uhr auf uns zu, um uns in Kenntnis zu setzen, dass mit Polizeimaßnahmen gegen Abdeckaktion vorgegangen wird, sollten wir diese Aktion zukünftig aufrechterhalten. Kurze Zeit danach kam noch Herr Tesch zur Verstärkung dazu Bereits am 17.04.2015 haben die Mitarbeiter der Allgemeinen Verwaltung, Herren Ruland und Tesch, unsere Abdeckaktion wegen einer internationalen Veranstaltung verbieten wollen, da wir uns auf unser Grundrecht (GG Art. 5 Meinungsfreiheit) berufen haben, haben diese unsere Banner vorübergehend abgenommen; die wir dann an Nachmittag wieder zurück erhielten.

Selbstverständlich lassen wir uns das Recht/die Pflicht die Öffentlichkeit zu informieren nicht nehmen! – Die Gegendarstellung des modernisierten Kopfbahnhofs zum Tischmodells S21 hat der Gemeinderat nicht erlaubt, deshalb haben die Seniorinnen und Senioren beschlossen jeden Freitag von 11 bis 12 Uhr daran zu erinnern und die Öffentlichkeit zu informieren. Wir werden auch am kommenden Freitag dort sein. Es wäre schön, wenn sich viele anschließen.“

Ja, das wäre doch wunderbar!  Und die Frage sei erlaubt: Wem gehört denn eigentlich das Rathaus?20130102-DSC_5778

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Die 100ste Rathausaktion – oder „… und der Himmel leuchtet in seinem schönsten Blau“

20150529-_DSC4459Foto: Jens Volle

Anlass zum Feiern gab es wahrhaftig nicht bei der 100sten Rathausaktion am 29. Mai 2015. Leider! Denn auch beim 100sten Mal hat sich rein gar nichts bei den Forderungen der SeniorInnen gegen S21 bei der Rathaus-Ausstellung getan: Weder wurden die Briefe an OB Kuhn beantwortet, noch hat sich an der Darstellung des S21-Modells und an der S21-Ausstellung etwas verändert.

Trotzdem war die Aktion ein weiterer Meilenstein in unserem Bemühen um eine ehrliche Information zum geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof und über eine mögliche Alternative dazu – nämlich einem funktionierenden Kopfbahnhof. Auch auf der Internetseite BAA (Bei Abriss Aufstand) wurden zu unserer Aktion diesmal auch MedienvertreterInnen eingeladen, über unsere Aktion zu berichten. Eine kleine „Theateraufführung“ mit einem fiktiven Gespräch mit OB Kuhn wurde dort gezeigt. Dazu kam dann noch ein Video von Lars Reichow, in welchem über die Stadtzerstörung berichtet wurde. Auch wurden wieder Info-Flyer verteilt und das unsägliche Glastischmodell abgedeckt. Das Rathaus war gut besucht an diesem Freitag. Und es war sehr erfreulich, dass fast alle Besucher gerne die Informationen entgegennahmen. Insofern war die 100ste Rathaus-Aktion ein Erfolg, obwohl unser Brief, in welchem wir endlich die Beantwortung unserer Schreiben anforderten, nicht entgegengenommen wurde.  Deshalb hier nochmals unsere Forderungen in einem Offenen Brief an OB Kuhn:

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kuhn!

  • Bitte antworten Sie auf unsere Schreiben!
  • Bitte überprüfen Sie einmal selbst, mit welchen geschönten Angaben die Informationsbroschüren über S21 im Stuttgarter Rathaus bestückt sind!

Wir fordern eine ehrliche Informationspolitik. Auch im Stuttgarter Rathaus!

Bei der Volksbefragung vom 27. November 2011, die, wie Sie doch selbst zugeben müssen, unter falschen Voraussetzungen vonstatten ging (Kostendeckel!),  hat sich die Mehrheit der Stuttgarter Innenstadtbewohner für einen Ausstieg aus der Finanzierung für Stuttgart 21 ausgesprochen. Die Mehrheit, von der Sie (und ganz zu schweigen von Ministerpräsident Kretschmann) immer sprechen, kam hauptsächlich durch die Stimmenanteile aus dem baden-württembergischen Umland und den außenliegenden Stadtteilen von Stuttgart zustande. Doch dies wird jedoch ständig in Ihren Reden und Argumentationen ausgelassen.   Warum? Sich immer auf eine Mehrheit zu berufen, die auf unrichtigen Erläuterungen und Informationen beruht,  ist das ein guter Umgang mit den Stuttgarter Innenstadtbewohnern?  Sind Sie nicht der Oberbürgermeister aller Stuttgarter? Und der Bau des Tiefbahnhofs mit all seinen unsäglichen Belastungen  betrifft in erster Linie die Stuttgarter Innenstadtbewohner, die diesen Tiefbahnhof  nicht wollen . Und deren Oberbürgermeister Sie   a u c h   sind, die aber von Ihnen ignoriert werden.  So auch jüngst in einem öffentlichen Interview vor dem Stuttgarter Rathaus anlässlich des Evangelischen Kirchentages, bei welchem Sie immer wieder von der Mehrheit sprechen.

Hinzu kommt noch die Informationspolitik im Stuttgarter Rathaus. Wir, die SeniorInnen für einen gut funktionierenden Kopfbahnhof, wollen im Rathaus nicht nur über den Bau des Tiefbahnhofs S21 informiert werden. Zu einer ehrlichen Informationsbroschüre gehört auch, dass über die Nachteile und Gefahren eines solchen Projekts berichtet wird. Wir, aber auch alle Besucher des Stuttgarter Rathaus, haben den Anspruch   a u c h   über die mögliche Alternative zu erfahren, nämlich über einen Kopfbahnhof, bei welchem die Umweltbelastungen, Finanzierungskosten und Zeitdauer nicht so gravierend sein würden wie bei S21.

Aber von den Belastungen, Umweltzerstörungen und Gefahren steht kein Wort in der Informationsbroschüre in der extra für Stuttgart 21 ausgerichteten und an exponierter Stelle gezeigten Ausstellung im Rathaus. Hier nur einige Beispiele:

In einem euphorischen Artikel in der Informationsbroschüre „Bezug – das Projektmagazin“ wird  z.B.  über die 40 Millionen  Tonnen Erdaushübe berichtet,  die von den Tunnelausgrabungen zu den vorgesehenen  Deponien weggeschafft werden müssen. Auszug:

“ Der Himmel leuchtet an diesem Nachmittag in seinem schönsten Blau über dem Filderportal am Stuttgarter Fasanenhof, wo derzeit an der unterirdischen Verbindung ( … )  gegraben wird … und das nach allen Regeln der Kunst“. Und weiter heißt es: „Logistik heißt, die Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden, zu den richtigen Kosten zu sichern.“ Und:  „Auch hier, mitten im Stuttgarter Stadtgebiet, wurde ein maßgeschneidertes Logistikkonzept entwickelt, um die Belastung der Bürgerinnen und Bürger durch Lärm, Schmutz und Verkehr so gering wie möglich zu halten (…).“

Ja, da fragen Sie bitte einmal die Bewohner des Nordbahnhofviertels, wie die richtige Menge zur richtigen Zeit von dort aus zu den Deponien vonstatten geht. Kein Wort von den immensen Belästigungen durch Lärm, Dreck und Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub etc. – und das schon von Anfang an!

Fragen Sie einmal die Bewohner auf der Alb und anderswo, in derer Nähe dann der Erdaushub, also auch Dreck und Schutt, abgeladen wird.  Inzwischen zählen zahlreiche der einstmals so glühendsten  Befürworter zu den entschiedensten Gegnern dieses unnötigen Milliardenprojekts.

Als reinen Hohn muss man da auch noch empfinden, wenn Tunnelpatin Gerlinde Kretschmann, die Frau des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, im Vorwort dieser Broschüre zu Wort kommt: “ Ich werde an die vielen schönen Begegnungen mit den Mineuren denken, wenn ich eines Tages mit dem Zug durch meinen Tunnel brause“. Kommentar überflüssig.

Nochmal: Wir wollen eine ehrliche Darstellung dieses Projekts. Wir wollen Transparenz der Kosten für die Ausstellung im Rathaus, im Turmforum und in der Jägerstraße.  Wir wollen Antwort auf unsere Briefe. Wir wollen nicht ständig abgewiesen werden.

Herr Oberbürgermeister Kuhn, wir nehmen Sie in die Pflicht!

Mitglieder der SeniorInnen gegen S21″

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Keefer lobt gute Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Grünen. Ein Merkzettel für die Landtagswahl 2016

Wir haben mit Spannung der Öffentlichen Anhörung zu S21 im Bundestag entgegen gefiebert. Ja, sogar Busfahrten nach Berlin wurden organisiert. Und irgendwie hatte man noch oder wieder ein Fünkchen Hoffnung in sich, dass diese Anhörung alles mit einem Schlag verändern könnte.  Pustekuchen. Zorn kommt in mir auf, wenn ich mir das süffisante Lächeln von Grinsekater Keefer vorstelle. Ohrfeigengesicht!  Nachstehend ein Bericht, publiziert von Petra A auf BAA. Sehr lesenswert!

Öffentliche Anhörung zu S21 im Bundestag: “Alles Kokolores”

Thema Stuttgart 21 bei der sogenannten „öffentlichen“ Anhörung im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags am 6. Mai 2015

Notwendige Anmerkungen zu einer Veranstaltung, die offensichtlich möglichst unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte, eine Übertragung nach außen, ja sogar Fotos verhindert wurden und Bahnchef Grube zeitgleich eine Pressekonferenz anberaumte zum Thema GdL-Streik …. es hätte sich ja ein Berliner Journalist in diese Sitzung verirren und beispielsweise mitbekommen können, dass der Bundesrechnungshof seine Zahlen zu S21 seit Jahren zurückhalten muss … Schon 12 Milliarden? Man wird sehen.

Berlin ©weiberg

„Alles Kokolores“

Ein Interview von Josef-Otto Freudenreich mit dem „Stern“-Autor Arno Luik in der Online-Wochenzeitung „Kontext“ (Ausgabe 215), als Beilage auch in der heutigen Samstagsausgabe der Berliner Tageszeitung „taz“.

Zum vollständigen Interview: HIER

AUSZÜGE:

„Keine schriftlichen Stellungnahmen von den Bahnmanagern, keine Übertragung aus dem Saal, keine Fotos und begrenzte Plätze. Die Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestags am vergangenen Mittwoch (6. Mai) hätte eigentlich „offene Fragen“ zu Stuttgart 21 klären sollen. In Wirklichkeit war es ein Ritual mit gelenkten Spielregeln: Die Bahn geht unbeirrt ihren Weg, alles im Plan und Griff, und die Gegner schlagen die Schlachten von gestern. „Stern“-Autor Arno Luik hat das zum ersten Mal als Redner in einem Parlamentsausschuss erlebt.“ (…)

„Nur einmal, ein einziges Mal, hörten allerdings alle aufmerksam zu, nur einmal verspürte man eine leichte Verunsicherung in der allgemeinen Gleichgültigkeit. Die Bahn ist ja eine Aktiengesellschaft. Es gilt das Aktienrecht. Jeder Aufsichtsrat ist damit verpflichtet, Schaden von seinem Unternehmen abzuhalten. Jeder ist persönlich haftbar. Es ist aber bekannt, dass S 21 jenseits der Rentabilität ist, also ein ökonomischer Schadbahnhof ist, dass Milliarden Euro Steuergelder womöglich verschwendet werden. Ich habe deshalb an die Finanzaffäre um die Nürburgring AG erinnert, bei der vor einem Jahr der rheinland-pfälzische Ex-Finanzminister und Aufsichtsratschef der Nürburgring AG, Ingolf Deubel (SPD), wegen Untreue und Gefährdung von Steuergeldern zu drei Jahren Haft verurteilt worden war. Die Nürburgringsache aber ist eine Lappalie im Vergleich zu S 21. Da war Ruhe im Saal.“ (…)

„Und noch eine kleine Anmerkung: Der anwesende Technikvorstand der Bahn, Volker Kefer, war einmal wirklich souverän süffisant – als der Grüne Matthias Gastel S 21 heftig kritisierte, konterte Kefer lächelnd: Sie haben hier in Berlin wohl noch nicht mitbekommen, dass Ihre Parteifreunde in Stuttgart in Sachen S 21 schon viel weiter sind als Sie! Und er lobte die überaus gute Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Grünen, die sei „konstruktiv-vertrauensvoll“.

Vielleicht erklärt sich auch so, dass der grüne Verkehrsminister in Stuttgart, Winfried Hermann, nicht mal das Einfachste und Selbstverständlichste macht: zu verlangen, auch öffentlich zu verlangen, dass endlich die Kosten, die der Bundesrechnungshof zu S 21 erhoben hat, öffentlich gemacht werden. Diese Zahlen werden seit zwei Jahren unter Verschluss gehalten.“ (…)

„Ich hoffe, (…) dass die regierenden Grünen in Baden-Württemberg es sich doch noch trauen, die Sinnhaftigkeit von S 21 zu hinterfragen – anstatt dieses Bauvorhaben nun so brav mitzutragen, von dem sie doch so genau wissen, dass es, freundlich gesagt: kompletter Unfug ist. Winfried Kretschmann vor seiner Wahl zum Ministerpräsidenten über S 21: „Verfassungswidrig!“ Winfried Hermann vor seiner Wahl zum Verkehrsminister über S 21: „Absurder Schwabenstreich!“ Und dass sie sich daran erinnern, dass sie an der Macht sind, weil sie einst gegen S 21 waren. Vielleicht sind sie ja bald nicht mehr an der Macht, weil sie nun dafür sind. Daraus können die Baden-Württemberger ihre Schlüsse ziehen.“

— Und das werden wir auch!!!