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Südflügel: Neue Baustellenzufahrt für LKWs und noch mehr Dreck und Staub am Hauptbahnhof

Neue Baustellenzufahrt!

S21-Gegner*innen sind jeden Dienstag am Hauptbahnhof und an der Schillerstraße und treffen sich dort zum so genannten „Frühstück am Bauzaun“. Dadurch sehen sie auch sehr schnell Veränderungen an der Großbaustelle S21. Wie Ernest und seine Mitstreiter*innen mitteilen, ist seit kurzem eine neue Einfahrt für LKW-Transport etc. eingerichtet worden. Dadurch wird der Verkehr am und zum Hauptbahnhof noch um eine weitere Baustellenzufahrt erweitert und bringt noch mehr Dreck und Staub in die Innenstadt. Nachstehend einige Fotos von der neuen Zufahrt, direkt am Südflüger des Stuttgarter Hauptbahnhofs  sowie ein Kurzbericht vom 30. April:

Dienstagmorgen: Neue Zufahrtstraße mit Baustellentor am Südflügel. 4 Aktivist*innen standen dann auch am frühen Morgen prompt davor und blockierten die Ein- bzw. Ausfahrt. Das Tor wurde  schnellstens von einem Pförtner zugemacht (!). Ein LKW-Fahrer, der reinfahren wollte, aber nicht konnte, ging wieder in sein LKW-Führerhaus zurück telefonierte und fuhr dann wieder los – wahrscheinlich dann zum Eingang Wolframstraße.

 

 

 

 

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Wahlwerbung oder „Ehrenrettung“?

„Stuttgart 21 ist ein politisches Projekt!“ Echt??? Man hört und staunt. Und diese sensationelle Neuigkeit verkündet auch noch der SPD-Ortsverein (welcher?). Oder soll das jetzt ein Witz sein? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Hier die komplette Rede:

Das „Tunnelgebirge“ – Eine seit mehr als hundert Jahren in aller Welt bewunderte Ingenieurleistung

Rede von Dr.rer.nat. Hans Peter Münzenmayer, Technikhistoriker, gehalten von Dr. Norbert Bongartz, auf der 462. Montagsdemo am 29.4.2019

Liebe Bewunderer einer nachhaltig funktionierenden Technik!

Ich komme nun wieder mit der alten Leier, mögen Sie stöhnen, da ich das Thema auf allen Schauplätzen bereits behandelt habe. Aber ich bringe aus dem SPD-Ortsverein eine ganz neue Erkenntnis mit: Stuttgart 21 ist ein politisches Projekt!

Es passt ja ins Bild, gewisse politische Erwartungen mit dem Projekt zu verknüpfen. Sobald es aber konkret ans Bauen geht, nützt die Politik gar nichts mehr, denn es ist leider gar nicht bekannt, mit welchen politischen Mitteln man ein Bauwerk standsicher, betriebssicher oder zweckmäßig machen kann. Hinter dem Polit-Argument könnte sich die landläufige Ansicht verstecken, in der Technik gäbe es immer verschiedene Möglichkeiten, es müsse nur der politische Rahmen stimmen.

In der Tat, es existieren in der Technik oft unterschiedliche Lösungen, immer aber sind sie sinnvoll und notwendig innerhalb eines größeren Zusammenhangs. Diesen Zusammenhang zu erkennen oder wo notwendig herzustellen, indem man alle Anfangsbedingungen berücksichtigt, nennt man Planung. Bestgeplant würde also allenfalls ein Projekt heißen, bei dem alle Voraussetzungen bekannt, geprüft und in der Zielsetzung beherrschbar sind. Nennen wir einmal einen derartigen Prüffall: Ist im Schwemmland des Neckars sicher mit zusitzendem Grundwasser beim Tunnelbau zu rechnen?

Als 1907 die Umgestaltung der Stuttgarter Eisenbahnanlagen beschlossen wurde, geschah dies aus der Notwendigkeit heraus, den Hauptbahnhof für das gestiegene Verkehrsaufkommen zu erweitern. Die Planung verstieg sich nicht in ein hastiges Größer, Schneller. Außerordentlich weitblickend gingen schon die frühen Überlegungen von einer durchgehenden Trennung der Funktionen aus. Grundsätzlich sollten die Reisenden vom Technikbetrieb nicht gefährdet oder belästigt werden – im alten Bahnhof lagen die Lokomotivdrehscheiben in der Bahnsteighalle. Ebenso waren Personen- und Güterverkehr zu trennen und schließlich – ganz entscheidend – sollten Fernverkehr und Nahverkehr auf jeweils eigenen Fahrstraßen ohne jegliche schienengleiche Kreuzung verkehren. Wir lassen hier Abstellbahnhof und Lokomotivbahnhof ebenso beiseite, wie die Maßnahmen bei den Rangierbahnhöfen.

Sicherheit und Orientierung der Reisenden gewährte das neue Bahnhofsgebäude: die Gleise 1 bis 4 sind für den Nahverkehr Richtung Cannstatt und Feuerbach vorgesehen, 5 und 6 für die Gäubahn, auf den Gleisen 7 bis 14 (später 16) verkehren nur Fernzüge, auch Durchgangszüge. Natürlich war bei den ersten Vorplanungen auch der Sprickerhof-Entwurf für einen Durchgangsbahnhof erörtert worden – nein: berechnet worden hinsichtlich der Kosten und der Reisezeiten. Die Abgeordneten vertrauten ganz ihren weitblickenden Planern und lehnten den Durchgangsbahnhof ab, da selbst heute noch die überwiegende Zahl der Zugreisen in Stuttgart beginnt oder endet und selbst der Lokomotivwechsel weniger Zeit kostet als das Ein- und Aussteigen und Gepäck umladen.

Die größte Herausforderung in der Verkehrsführung lag bei der Brauerei zum Englischen Garten, also zwischen der heutigen U-Bahn-Haltestelle Budapester Platz und dem UFA-Kino. Die Topographie Stuttgarts erfordert, dass alle Züge von der „Centralstation“ über die Hauptstrecken Richtung Cannstatt oder Feuerbach verkehren. Allein die Gäubahn, die noch heute vielfach bewunderte Panoramabahn, führt in weitem Bogen über die Höhen Stuttgarts nach Vaihingen. Nach Cannstatt fallen die Gleise, nach Feuerbach steigen sie zunächst ähnlich wie die Gäubahn, unterfahren aber dann in der Nähe des Nordbahnhofs die Gäubahn. Auf Grund der Höhenverhältnisse kommt die Gabelung zwischen dem Cannstatter und dem Feuerbacher Ast gerade an die engste Stelle beim Englischen Garten zu liegen, wobei gleichzeitig die Überführung der Gäubahn beginnt. Die Stelle ist aber nur deshalb so eng, wenn man den unteren Schlossgarten schonen und die Geländeformation nicht mit brachialer Gewalt verändern will.

Für die Ingenieure Karl Schaechterle von den Staatsbahnen und Emil Mörsch von der Industrie ist die Rücksicht auf die Stadtstruktur selbstverständlich. Sie sahen sich deshalb vor die Aufgabe gestellt, 10 Streckengleise, 2 Gütergleise und weitere Verbindungsgleise zum Betriebs- und Abstellbahnhof auf dem Rosenstein in ganz verschiedenen Höhenlagen ausgerechnet an der engsten Stelle unterzubringen. Die sensationelle Lösung: „Auf dem engen Raum von kaum 100 Meter Breite werden 19 Gleise mit Höhenunterschieden bis zu 12 Meter neben, über und unter einander hinweg geführt.“ Wohlgemerkt, ohne eine einzige schienengleiche Kreuzung.

Als Schaechterle 1914 in der Deutschen Bauzeitung das Bauwerk vorstellt, ist er sich vollkommen darüber im Klaren, dass es sich um „eine in der Geschichte der Eisenbahn-Technik wohl einzig dastehende Anlage“ handelt. Auch Emil Mörsch, die damals unbestrittene Autorität auf dem Gebiet des Stahlbetonbaus, spricht im selben Jahrgang der Deutschen Bauzeitung vom „kühnsten Bauwerk…, welches bisher für Eisenbahnbetrieb…überhaupt hergestellt worden ist“. Man kann das ganze „neben, über und unter“ der ein- und ausfahrenden Züge und einzelner Lokomotiven noch recht gut in der Nähe des Budapester Platzes beobachten. Auch der gute Bauzustand des Stahlbetonbaus ist gut ablesbar nach seiner über hundertjährigen Bewährung.

Das Tunnelgebirge, wie das Bauwerk nun volkstümlich genannt wird, ist aber nicht nur ein weltweit bewundertes Meisterwerk des Stahlbetonbaus. Es ist das Monument einer umsichtigen, von größtem Sachverstand geleiteten Planung, in der alle Gesichtspunkte wie stadträumliche Einordnung, Zugverkehr, Bedürfnis der Reisenden und zukünftige Entwicklung Eingang gefunden haben. Das Tunnelgebirge hat von Leuten mit Verstand und Sachkenntnis höchstes Lob erfahren, alle Urteile haben sich in fachmännischer Auseinandersetzung mit der Materie gebildet. Von politischer Seite sind keine unqualifizierten Äußerungen bekannt geworden von dem Kaliber: „Es geht doch nur um einen Bahnhof.“ Nein, es geht um unsere Kultur!

Spätestens seit dem 2. Weltkrieg ist die Vernichtung der Kultur des Kriegsgegners ein erklärtes Ziel. Wer aber die Befürworter von Stuttgart 21 in Parteien, Parlamenten und Regierungen sitzen hat, braucht keine äußeren Feinde mehr!

 

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Lauter Schweinereien! Geschichten aus dem mediacenter

Inspiriert von den Memoiren (mediacenter) des Obenbleibers Ernest. Eine wahre Geschichte.

Ging einmal ein Sprecher der DB in Sachen S21, anno 2011, an einem Sonntag auf dem Schlossplatz spazieren. Schönes Wetter. Gute Laune allerseits. Traf er dort seinen Widersacher und Kopfbahnhof21-Obenbleiber Ernest.  Der Sprecher, der Wüterich, kannte Obenbleiber Ernest schon von zahlreichen Protestaktionen gegen S21 her und begrüßte ihn mit ein paar passenden oder unpassenden Bemerkungen. Aber als der Ernest wieder einmal nicht das Maul halten konnte und ihn auf das Unsinnsprojekt S21 hinwies, rastete er aus und schrie: Du Drecksau, du alte!“. Was Ernest natürlich kränkte und er prompt Anzeige erstattete. Natürlich wurde das Verfahren eingestellt. Der ehemalige Sprecher wütet jetzt ganz woanders, aber auch auf dem absteigenden Ast, hoffentlich.

Aus den Akten:

Dem Beschuldigten wird in der Anzeige des Ernest Petek vorgeworfen, ihn am 27.07.2011 gegen 16.15 Uhr auf dem Schlossplatz mit „Du Drecksau, du alte“ beleidigt zu haben.Die bisherigen Ermittlungen haben keinen für die Anklageerhebung hinreichend sicheren Tatverdacht ergeben. Der Beschuldigte bestreitet sowohl die Äußerung, als
auch überhaupt zur Tatzeit am Tatort gewesen zu sein. Die Einlassung, sich in seinem Büro befunden zu haben, kann nicht widerlegt werden. Wenn Aussage gegen Aussage steht, sind regelmäßig außerhalb der Zeugenaussage liegende gewichtige Gründe zu nennen, die es ermöglichen, der Zeugenaussage im übrigen dennoch zu glauben …Derartige Gründe, die die Angaben des Anzeigeerstatters bestätigen, sind vorliegend nicht ersichtlich. Unter diesen Umständen ist für die Erhebung einer öffentlichen Klage kein Raum. Das Verfahren war nach § 170 Abs. 2 StPO einzustellen.

Und Obenbleiber Ernest weiß inzwischen auch, dass O Sancta Justizia manchmal leider mit zweierlei Maßen misst.

Schon fast wie aus der Welt der Oper:

Bild könnte enthalten: 1 Person, Text

Und hier erfährt man mehr: Mediacenter von Ernest https://c.gmx.net/ernest.petek@gmx.de/V5ktahrqTneMEH2Rp28pFw/369031058512943857

 

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„Nur ein toter Fisch wird vom Strom fortgetragen“ – Bericht von Ernests Knastaufenthalt

ernestistgerührtNur ein toter Fisch wird vom Strom fortgetragen“

Eigentlich hatte Ernest nicht damit gerechnet, festgenommen zu werden, als er an jenem Samstag wieder einmal mit zwei anderen Aktivist*innen auf dem Dunantsteg beim Neckartor mit Plakaten und Bannern „Heute Giftstaub Alarm!“ gegen die Feinstaub-Misere protestierte. Zwar hatte er schon eine Aufforderung zum Antritt einer Ersatzhaftstrafe wegen Verstoß gegen das Demonstrationsmeldegesetz erhalten (wir haben darüber berichtet). Aber dass er nur zwei Tage nach seiner Verurteilung die nächste Haftstrafe antreten sollte … Sonst hatte Justizia sich ja immer alle Zeit der Welt gelassen – diesmal schien sie es recht eilig zu haben. Vielleicht wollte sie damit ein Exempel statuieren.  Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Die Verhaftung

Da die Beamten keinen Haftbefehl dabei hatten und ihn anscheinend nur zufällig bei seinem Protest entdeckten, wurde er nach der Festnahme zuerst in die Polizeiwache Hahnemannstraße gebracht. Vorher begleiteten sie ihn nach Hause, damit er noch einige notwendige Dinge mitnehmen konnte.

„Es war schon kurios“, erzählt Ernest, „der Beamte wollte auf keinen Fall vor der offenen Wohnungstür warten. Er verfolgte mich auf Schritt und Tritt, ließ mich nicht aus den Augen, als ob ich vor ihm Reißaus nehmen könnte. Augenscheinlich befürchtete er eine “Verfolgungsjagd über die Dächer von Stuttgart“. In der Hahnemannstraße wies man ihn in eine Zelle ein, wo er übernachten musste, um erst am nächsten Tag in die JVA gebracht zu werden. Eine fürchterliche Nacht stand Ernest bevor: Nur mit einer dünnen Decke versehen, musste er sich auf ein bettähnliches schwarzes Plastikgestell, dessen Unterlage förmlich am Körper klebte, hinlegen. „Das allein war schon eine Tortur“, meinte Ernest. Man muss sich die Zellen vorstellen um nachzuvollziehen, was es bedeutet, dort einzusitzen: Ein relativ kleiner Raum, grau-weiß, mit Bett.  Das Fenster vergittert. Abgeteilt durch eine Betonwand der Toiletten-Abtritt: eine Mulde mit Loch und Wasserspülung. Das „Geschäft“ muss man jeweils im Stehen erledigen. Am nächsten Morgen wurde er dann in die JVA Stammheim gebracht. Auf ein Frühstück hatte er vorher dankend verzichtet.

Alltag in der JVA oder Die Sattmacher

In der JVA Stammheim hatte er 15 Tage der Ersatzhaftstrafe abzusitzen. Einige Justizvollzugsbeamte Wärter kannten ihn bereits von seinem Gefängnisaufenthalt im Januar her. Ernest:  „Durch die vielen Briefe und Karten bin ich dort zu einer respektablen Person geworden und bin deshalb bestimmt auch wegen meiner Rechtsauffassung im Umgang mit Staatsdienern von ihnen dementsprechend behandelt worden“. Schlimm war für Ernest die mangelnde Bewegungsfreiheit. Er, gewohnt ständig auf Trab zu sein, kann sich schlecht darauf einstellen, fast immer nur in einem Raum eingesperrt zu sein. Ein Fernseher ist allerdings in jeder Zelle vorhanden mit den gängigen Satellitenprogrammen. Ein Wechsel nach „Haus Nr. 4“ bot dann zum Glück die Möglichkeit, sich täglich von 8.30 bis 10.00 Uhr bei offener Zelle im 3. Obergeschoss frei umher zu bewegen. „Eine Wohltat“, fand Ernest, „und ein Luxus, der für mich sehr wichtig war“.

Er erzählt weiter: „Der Alltag sieht so aus: 6:45 Uhr: Lebendkontrolle (lebt er noch?). Um 8:00 Uhr dann Duschen und 2mal die Woche Zelle säubern, 11:00 Uhr Mittagessen, anschließend von 12:30 Uhr an eine Stunde Hofgang, am Wochenende ist der Hofgang schon um 9:45 Uhr. Um 15:00 Uhr erfolgt dann das Abendbrot, das auch für‘s Frühstück reichen muss, dazu Teebeutel und ein Wasserkocher, um heißes Wasser drüber zu gießen. Schmeckt ohne Zucker nicht!“. Das Essen dort sei ein typisches Kantinenessen, meint Ernest. Einfache „Hausmannskost“ eben. Fleisch gibt es selten, mehr Kohlehydrate wie z. B. Nudeln und Kartoffeln. Sattmacher. Ein voller Bauch studiert nicht gern. Ein satter Geist denkt nicht zu viel? Aber das gilt nicht für Ernest, der dort das Rechtsmittel zum Prozess gegen „falsche Verdächtigung“ einlegte.

Falsche Richtung?

Der tägliche Hofgang ist für Ernest immer ein besonderes Erlebnis: Besonders auffallend war, dass alle Häftlinge bei ihrem Rundgang immer in der gleichen Richtung liefen. „Abwegig“, findet Ernest und geht beim Hofgang in die entgegengesetzte Richtung, dabei muss er immer den Entgegenkommenden ausweichen. „Falsche Richtung! Falsche Richtung“ rufen die Häftlinge ihm entgegen. Ernest lässt sich aber nicht beirren. „Nur ein toter Fisch wird vom Strom fortgetragen“, meint er und erzählt weiter: „Am Freitag 05. April nachmittags wurde ich dann über meine Entlassung am nächsten Tag informiert. Ich war froh, die Haft schadlos überstanden zu haben. Der Beamte, der mich zum Ausgang brachte, hat sich per Handschlag von mir verabschiedet, jedoch ohne mir „ Auf Wiedersehen“ zu wünschen!

Ernest liegt Folgendes noch sehr am Herzen: „Bei allen, die mir geschrieben haben, möchte ich mich hiermit ganz herzlich für ihre aufmunternden und Mut machenden Worte bedanken. Die Post ist und war für mich sehr wichtig! Obwohl alles was kommt und geht zensiert wird. Andererseits erfahren die Justizvollzugsbeamt*innen damit so manches über unsere Beweggründe, warum ich überhaupt hier bin und wissen somit besser Bescheid. Das machte sich dann so bemerkbar, dass sie im Umgang mit mir aufmerksam, ja, geradezu nett, waren – erleichternd für mich! Beim Lesen der Karten und Briefe musste ich abwechselnd lachen und weinen. Sie haben mir geholfen, die Zeit gut zu überstehen. Vielen Dank euch allen!“

Ich lasse mich nicht von Tätern zum Opfer machen!“

Ernest hat also seine Haft überstanden. Ohne Schaden, wie er sagte. Seine 4 Enkel*innen (13, 15 und 14, 12) wissen natürlich auch Bescheid über seine Gefängnisaufenthalte und fragen ihn oft, warum er denn „so stur“ sei. Seine Tochter, die in Stuttgart wohnt, versteht zwar seine Beweggründe, meint aber, dass er eigentlich der Bewegung egal wäre und damit auch sein Handeln mehr oder weniger nutzlos sei. Ernest ist da ganz anderer Meinung: „Das ganze S21-Projekt ist rechtswidrig – was bereits mit den vorbereitenden „Maßnahmen“ der Vertragsunterzeichnung erkennbar ist! Deswegen weigere ich mich auch, die Strafen zu bezahlen und werde alle, alle Möglichkeiten, durch alle Instanzen hindurch, ausschöpfen und meinen Weg gehen! Und ich erfahre viel Zuspruch für mein Verhalten, wenn auch die meisten das selbst nicht tun würden.“

Seit 2015 wird ihm, wegen zahlreicher Geldstrafen und Gerichtsgebühren, beständig von seiner Rente gepfändet. Mehrere Hundert Euro im Monat. Urlaub kann er sich schon lange nicht mehr erlauben. „Ich lebe von der Hand in den Mund“, meint Ernest. „Aber ich lasse mich nicht von Tätern zum Opfer machen.“

 

Aus Ernest Media-Center: Opferschutzbroschüren -Mai 2010 und Juli 2005- an MP W. Kretschmann https://c.gmx.net/ernest.petek@gmx.de/Yx2VDaWMS8WCUOx-tTA7zg/334629611683976322  In der Anlage „D.2+D.3 Opferschutz Broschüren.pdf“ Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt.

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Diskussion um fridays for future – Ein Redevorschlag zur Montagsdemo

       Sieht so die Zukunft aus?

Das Thema „fridays for future“ (FFF) beschäftigt auch uns in unseren Dienstagstreffen und anderswo. Und nicht wenige von uns trifft man jeden Freitag auf dem Marktplatz.  Die Gruppe der SeniorInnen gegen S21 hat sich (noch) nicht auf eine gemeinsame Haltung geeignet oder gemeinsam daran teilgenommen. Wir suchen noch …

Nachstehend ein Vorschlag zu einer Rede bei der Montagsdemo, die ein Mitglied unserer Gruppe verfasst hat:

Was ist unsere Aufgabe gegenüber „Fridays for Future“,  der Jugendbewegung für das Klima?

Wer von uns hätte damit gerechnet, dass so etwas möglich ist? Seit 10 Jahren demonstrieren wir jede Woche gegen S 21, unermüdlich. Und jedes Jahr 1 Jahr älter werdend. Ohne Nachwuchs. Und plötzlich, sozusagen über Nacht, taucht eine Bewegung von jungen Leuten auf, von SchülerInnen, füllt jeden Freitag die Straßen in Deutschland und überall in der Welt. In Stuttgart mobilisieren sie bereits so viele wie                                                                          wir – und das während der Unterrichtszeit!

Unsere Sympathie, ja unsere Begeisterung haben sie. Wem von uns kam nicht schon einmal der Wunschgedanke: Wenn die bei uns mitmachen würden auf den Montag-Demos… Wir kämpfen doch auch für die Umwelt!

Aber konkret: Welche Haltung sollen wir zeigen? Stellt die Fridays-Bewegung uns nicht auch konkrete Aufgaben?  Vier Antworten will ich anführen – zwei falsche und zwei richtige.

1. Für uns Ältere ist es gar nicht so einfach, zu verstehen, was diese Jungen bewegt.

Sie selbst sagen voller Selbstbewusstsein, sie seien der „Aufstand der Jugend zur Rettung des Klimas, des Planeten“. (Na ja, vor 50 Jahren sind wir angetreten für die Weltrevolution.) In den Medien, in der Öffentlichkeit wird daraus „Bewegung für mehr Umweltschutz“. Und schon ist sie verniedlicht, kastriert. Wir sind doch alle für mehr Umweltschutz, auch Merkel und Zetsche, oder?

Das ist der erste Fehler:

Die Arroganz der Erwachsenen. Die Jungen werden nicht ernst genommen. FDP-Lindner hat sich mit dieser Haltung lächerlich gemacht. Merkel hat sich schnell korrigiert – nachdem 20 000 Wissenschaftler den Jungen Recht gegeben haben.

Auch wir sind nicht frei von diesem Fehler, wenn wir die Fridays-Bewegung in eine Reihe stellen mit den Umwelt-Bewegungen, in denen wir unsere Sporen verdient haben: gegen AKWs, gegen S 21, für Radwege usw. Sie rufen: „…weil man uns die Zukunft klaut!“. Der Unterschied: Wir mobilisierten für ein schöneres Leben. Die Jugendlichen heute streiken aus Existenzangst, für sich und ihre Kinder, für die Menschheit. Von daher ihre instinktive Radikalität. Wir Älteren können diese Lebensangst nicht nachfühlen. Für die wenigen Jahrzehnte, die wir noch zu leben haben, rechnen wir nicht gerade mit fürchterlichen Umwelt- Katastrophen.

Also, schreiben wir uns das hinter die Ohren: Die „Fridays…“, das ist nicht irgendeine weitere löbliche Umweltbewegung. Sondern die radikale, schonungslose Konsequenz aus der Realanalyse unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Unsere Generationen haben das seit 50 wissen können. Vielleicht haben wir es sogar gewusst. Aber wir haben uns nicht getraut, es laut zu sagen, die notwendigen politischen Schlussfolgerungen zu ziehen. Es passte nicht in unsere Schemata von Ausbeutung und Klassenkampf. Wir waren zu feige.

2. Der zweite Fehler:

Die Jugendlichen werden unter Dauerbeschuss genommen: Ihr persönlicher Lebensstil lässt zu wünschen übrig! „Fangt erst einmal bei euch selber an, bevor ihr…“ Vorwürfe von Leuten, die seit Jahrzehnten so leben, dass sie die Zukunft der Jungen zerstören! Diese Leute fühlen sich berufen, jetzt den Jungen Bedingungen stellen, bevor sie sich politisch engagieren. Ein Beispiel: Eine taz-Leserin mokiert sich über einen Jugendlichen, den sie im Flugzeug von Teneriffa nach München dabei ertappt, wie er eine Rede für die nächste Fridays-Kundgebung schreibt. Ein bosnischer Freund von mir sagt: Wer mit dem Finger auf eine andere Person zeigt, darf nicht vergessen, dass dabei drei Finger auf ihn selbst gerichtet sind…

Mir ist aufgefallen, wie wichtig den Jugendlichen in der Bewegung ihr ganz persönliches Verhalten ist: vegan Essen, mit der Bahn statt mit dem Auto Fahren, Plastik Vermeiden…Aber nicht, weil sie die Illusion haben, so könne Schritt für Schritt das Klima gerettet werden. Oder dass nur Umwelt-Engel die Berechtigung haben, fürs Klima auf die Straße zu gehen. Mir zeigt das ihre persönliches Engagement. Früher hätte man gesagt: Berufs-Revolutionäre.

3. Klimarettung ist nicht alles?

Sicher. Aber ohne die Rettung des Klimas ist alles nichts. Diese Realität zu verstehen, ja zu verinnerlichen, fällt uns alten KlassenkämpferInnen sehr schwer. Noch schwerer, die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen für unsere praktische politische Arbeit. Greta wird in Davos gefragt, was für die Klimarettung zu ändern sei, und sie antwortet: Everything. Alles. Das gilt auch für unsere politische Arbeit. Für die Politik überhaupt.

So schwierig es für uns ist – aber wir müssen die Worte Gretas ernst nehmen, in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen versuchen. Sie entspringen einer kindlichen Logik, einer Denkweise, die außerhalb der kapitalistischen Denkweise angesiedelt ist. Es ist kein Zufall, wenn gerade die Jugendlichen am ehesten in der Lage sind, diese Denkweise zu verstehen und zu übernehmen.

Ich persönlich bin in den ersten Wochen immer mit der Sorge zu den „Fridays“ gegangen: Ob sie immer noch die Menschheit retten wollen? Oder lassen sie sich auf die „realistischen“ Ziele der Umweltbewegungen von uns Älteren orientieren? Und immer haben sie mich überrascht: sie bleiben mutig, radikal, konsequent; es geht ihnen ums Ganze (Greta: was notwendig ist, und nicht was politisch möglich ist). Insofern, meine ich, ist diese Bewegung sozusagen instinktiv revolutionär.

Die Jungen werden heute von den Politikern und Medien hofiert. Man will sie „Zu Tode streicheln“, haben sie selbst erkannt. Und sie werden gefragt: „Welche Forderungen habt ihr konkret?“ Sie antworten dann mit dem Pariser Abkommen, den Vereinbarungen von Kattowitz oder anderen Selbstverpflichtungen der Regierenden. Das ist gefährlich, denn da geht es immer um Kompromisse, die das Klima mehr oder weniger stark zerstören – die Option der Jungen ist aber die Rettung. Besser, sie beschränken sich darauf, Druck auszuüben für diese Zielvorstellung auf die Politik, statt selbst in die Politik einzugreifen.

4. Und was können wir Älteren ganz konkret tun?

Die SchülerInnen gegen die Schulbürokratie schützen. Ihre Demos technisch unterstützen, verköstigen. Präsent zu sein, unsere Solidarität ausdrücken. Alles richtig. Und wichtig für die SchülerInnen. Wenn wir die gebotene Zurückhaltung üben, wenn wir den Charakter, das Wesen der Fridays-Bewegung respektieren.

Aber etwas anderes ist noch viel wichtiger.

Nehmen wir uns ein Beispiel an den SchülerInnen. Sie bestreiken jeden Freitag den Unterricht. Nicht, um aufzufallen, als PR-Trick. Sondern im Bewusstsein, dass das gewohnte Leben nicht mehr so weitergehen darf wie bisher. Weil wir sonst schnurstracks das Klima gegen die Wand fahren. Auch die Schule darf nicht so weitergehen wie bisher.

Genau das gilt aber auch für uns Ältere. Unser Leben darf nicht mehr so weitergehen wie gewohnt. Unter den „Parents for Future“ wird diskutiert: Auch die Älteren müssen auf die Straße. Aber nicht Freitags – da arbeiten sie ja. Sie müssen schließlich ihre Familie ernähren. Die SchülerInnen sagen: Was nützt mir ein gutes Abi, wenn ich keine Zukunft habe? Merkwürdig, dass wir Älteren so schwer kapieren: diese Logik gilt auch für uns!

Also, welche konkreten Kampfformen sind die richtigen für uns Ältere? Streiks? Konsum-Boykott? Mahnwachen? Auto-Blockaden? Plätze und öffentliche Gebäude besetzen? Nein, ich weiß auch nichts Genaueres. Ich weiß nur: die Diskussion und Aktion dazu muss jetzt beginnen! Now!

Ingo Speidel von „SeniorInnen gegen S 21“ und „Parents for Future“:

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Ernest aus der Haft entlassen!

Gerade erfahren wir, dass Ernest vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Ein detaillierter Bericht folgt.

 

 

 

 

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Ernestine besucht Ernest im Gefängnis – ein Kurzinterview

Ernestine bei einem Feinstaub-Protest

Besuch bei Ernest im Gefängnis – ein Kurzinterview

Ernest, unermüdlicher Mitstreiter und Aktivist gegen Stuttgart21 und   f ü r  Umstieg21, wird am kommenden Sonntag, 7. April um 10 Uhr, aus der Haft in der JVA Stammheim entlassen.

Ernestine, Aktivistin und Mitglied bei den SeniorInnen gegen Stuttgart 21, hat ihn dort besucht. In einem Kurzinterview berichtet sie darüber:

Ernestine, wie geht es Ernest ?

E.: Soweit ganz gut. Diesmal hat er eine Einzelzelle und auch seine Ruhe! Er ist ganz guter Dinge und ich glaube, dass er die Restzeit auch einigermaßen hinter sich bringen kann. Froh sind aber alle, dass er aus Protest keinen Hungerstreik gemacht hat.

Wie hat es mit der Vereinbarung des Besuchstermins geklappt?

E.: Für mich hat das eine Bekannte übernommen. Aber das war ziemlich schwierig. Erst wollte man einen Termin erst in 14 Tagen „gestatten“. Aber nach dem Hinweis, dass er da ja nicht mehr dort wäre, wurde ein Termin morgens um 6.30 Uhr (!) „vorgeschlagen“. Nach einigem Hin und Her, hat aber dann doch der Wunschtermin am 1. April geklappt.

Und wie war das Prozedere, bis du Ernest gesehen hast?:

E.: Oh je. Das hat gedauert!!! Und man wird nicht vor dem Anmeldetermin reingelassen. Erstmal musste ich in eine kleine Kabine und dort meine Taschen, Mantel, Schlüssel usw. ablegen. Und dann wird man abgetastet, ob nicht irgendwo irgendwas verborgen ist. Ich bin mir wie beim Arzt vorgekommen. Schwierigkeiten habe ich auch mit dem Schließsystem gehabt, wo dann die ganzen Sachen hineinkommen. Eine Besucherin hat mir aber dann dabei geholfen. Sonst hätte ich schon länger gebraucht. Nach einer mindestens halben Stunde „Vorarbeit“ konnte ich dann das Besuchszimmer betreten. Dort sind mehrere Abteilungen mit Tischen. Der Tisch, an dem „Sträfling“ und „Besucher“ sich gegenüber sitzen, ist auch noch durch eine Glaswand abgetrennt. Nur zur Begrüßung und beim Abschied kann man sich umarmen.

Und wie ist der Besuch abgelaufen?

E.: Zuerst einmal: Er hat sich sehr über meinen Besuch gefreut. Er war in Gefängniskleidung: Blaue Hose, roter Pullover, nagelneue Schuhe. Wie gesagt, er hat eine Einzelzelle. Und ich glaube, es geht ihm ganz gut. Aber er ist bestimmt froh, wenn er wieder „draußen“ sein kann. Seine Familie bestimmt auch! Aber schon eine komische Situation mit dieser Glaswand. Die drei Wärter*innen, die den Raum bewacht haben, waren zum Glück zurückhaltend und haben sich unterhalten. Und es waren auch noch andere Besucher bei anderen Sträflingen da. Und die Zeit ging schnell rum. Wir haben nicht so viel von den Gründen, weswegen er in Haft ist, gesprochen. Da war auch keine Zeit dazu. Aber Ernest lässt sich nicht unterkriegen. Das merkt man ihm schon an.

Hat er auch Post von den S21-Gegnern bekommen?

E.: Ja, einige Briefe und Karten. Die werden aber immer gesammelt, und er bekommt sie schubweise. Ich glaube auch, dass er durch diese Solidarität Kraft bekommt, die Strafen zu ertragen. Ich soll auch noch alle unseren MitstreiterInnen von ihm grüßen.

Und wann darf er wieder raus?

E.: Also genau am Sonntag, 7. April, um 10 Uhr! Ich werde ihn auf jeden Fall dort abholen. Und er wird sich ganz bestimmt freuen, wenn andere auch zur Begrüßung da sind!

Für alle, die Ernest abholen wollen:

Sonntag, 7. April, 10 Uhr, JVA Stammheim, Asperger Str. 60, 70439 Stuttgart.