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70 Jahre und kein bisschen weise … Ein Bericht von der Spontandemo zu Schusters Geburtstagsparty.

Werner mit Kabeltrommel 20190906_190957

Leider war die Riesenteigrolle nur zum Abwickeln des Riesenbanners gedacht!

Wie ein Lauffeuer hatte es sich bei den Stuttgart21-Gegner*innen herumgesprochen, dass es für EX-OB Schuster anlässlich seines 70. Geburtstages einen festlicher Empfang im Rathaus geben würde. Ausgerechnet für einen, der, wie Bündnissprecher Eisenhart von Loeper zutreffend meinte, „an vorderster Stelle S21 mit auf den Weg gebracht hat und mit Tricks und Lügen geholfen hat durchzusetzen“. Für viele war es unfassbar, dass so eine Veranstaltung  im Rathaus unter einem grünen OB stattfinden konnte, denn „Schuster trägt zentrale Verantwortung für das Zerstörungsprojekt Stuttgart 21“, so . Eisenhart von Loeper weiter. Und wenn man das Interview vom 5. September in der STZ liest, weiß man: Er hat nichts dazu gelernt. Im Gegenteil!

„Ein „Jubilar“, der mit der Durchsetzung dieses Immobilen-Projekts die Stadt Stuttgart in einem seit dem Krieg nicht mehr gekannten Ausmaß verletzt hat, muss dann auch damit rechnen, dass er am Freitagnachmittag auf dem Weg zum offiziellen Empfang im Rathaus von empörten Demonstrant*innen begrüßt wird“, meinte das Aktionsbündnis weiter in einer Erklärung dazu. Und so kam es auch. Schon vor dem angekündigten Festakt versammelten sich Stuttgart-21-Gegner*innen vor dem Rathaus zu einer spontanen Protestaktion.

Ob es ihm etwas ausmachen würde oder er womöglich damit rechnete, wusste man nicht.  Aber es gehörte schon eine gewisse Kaltschnäuzigkeit und Betriebsblindheit dazu, solche Ehrungen zu wollen oder mitzumachen.   Und man kann nur hoffen,  dass er die empörten und immer noch zornigen Parolen, die die Demonstranten vor dem Rathaus riefen,  gehört hat. Aber sicher haben das die Gäste und Teilnehmer dieser verrückten Veranstaltung gehört. Mussten sie doch, um zum Hintereingang des Rathauses in den Festsaal zu gelangen, durch ein Spalier empörter Demonstranten defillieren, die sie mit lauten Sprüchen und viel Musik von Capella Rebella und den Trommlern empfingen. Das 50-Meter Banner erinnerte dabei an das unsägliche Immobilienprojekt Stuttgart, das ihnen von ca. 20 Bannerträger*innen entgegengehalten wurde. Und man sah beim Hineingehen einige „grüne“ Politiker,  die damals, als sie noch um die Gunst der eventuellen Wähler buhlen mussten,  emsig das Immobilienprojekt S21 bekämpften. Fast schon war „Fremdschämen“ angesagt,  als eine lächelnde Muhterem Aras mit gesenktem Blick eilig am Banner vorbeilief. Da kamen schon Erinnerungen auf.  Anderen Teilnehmern, darunter auch einigen „Grünen“, war wiederum nichts peinlich. Grinsend liefen sie an der empörten Menge vorbei, als wäre es der „rote Teppich“ bei den Filmfestspielen in Berlin. Nur waren das keine Begeisterungsschreie, sondern Schreie der Empörung, die ihnen entgegenschallten.

Witzig und nachahmenswert: Capella Rebella hatte sich zum Empfang überraschend selbst eingeladen und heizte gleich zu Beginn dem Jubilar und den Gästen direkt vor dem Festsaal  gehörig mit ihrer widerständigen Musik ein. Ein Geburtstagsständchen ganz nach unserem Geschmack! Irgendwann mussten sie leider den Abzug antreten. Eine gelungene und originelle Aktion.

Irgendwie verwunderlich war, dass sich die zahlreichen Besucher des Weindorfes aus diesem Spektakel, das sich ja direkt vor ihren Augen abspielte, heraushielten. Man hörte weder Zustimmung noch Ablehnung. Vielleicht waren sie schon alle betrunken oder es hielten sich zu diesem Zeitpunkt nur Auswärtige aus dem In- und Ausland auf, die immer noch nichts vom Immobilienprojekt und dem Widerstand gegen Stuttgart21 gehört hatten und schon gar nichts vom unseligen Dazutun des damaligen Oberbürgermeisters?  Man weiß es nicht. Ich kann mich aber noch an Zeiten erinnern, wo Pro-ler gewaltig und heftig ihre Kommentare dazu abgegeben hätten, wenn sie in der Nähe gewesen wären – da hat es sich aber auch gewaltig ausgepro-lert. Nein, das ist kein Witz mit dem „Nichtwissen“, was um einen herum passiert:   Eine Friseurin aus Esslingen, die mir kürzlich die Haare schnitt, hatte noch nie etwas von Stuttgart21 gehört (!).  Vom Widerstand schon gar nicht. Also da wundert einen gar nicht mehr!

Übrigens: In einem Interview mit der STZ wollte sich Schuster zur jetzigen Kommunalpolitik nicht äußern,  aber meinte: „Das kann nur schiefgehen, niemand will einen Oberbesserbürgermeister“. Lieber Gott, hätte er damals doch auch bloß danach gehandelt!

 

 

 

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