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Ernest aus der Haft entlassen!

Gerade erfahren wir, dass Ernest vorzeitig aus der Haft entlassen wurde. Ein detaillierter Bericht folgt.

 

 

 

 

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Ernestine besucht Ernest im Gefängnis – ein Kurzinterview

Ernestine bei einem Feinstaub-Protest

Besuch bei Ernest im Gefängnis – ein Kurzinterview

Ernest, unermüdlicher Mitstreiter und Aktivist gegen Stuttgart21 und   f ü r  Umstieg21, wird am kommenden Sonntag, 7. April um 10 Uhr, aus der Haft in der JVA Stammheim entlassen.

Ernestine, Aktivistin und Mitglied bei den SeniorInnen gegen Stuttgart 21, hat ihn dort besucht. In einem Kurzinterview berichtet sie darüber:

Ernestine, wie geht es Ernest ?

E.: Soweit ganz gut. Diesmal hat er eine Einzelzelle und auch seine Ruhe! Er ist ganz guter Dinge und ich glaube, dass er die Restzeit auch einigermaßen hinter sich bringen kann. Froh sind aber alle, dass er aus Protest keinen Hungerstreik gemacht hat.

Wie hat es mit der Vereinbarung des Besuchstermins geklappt?

E.: Für mich hat das eine Bekannte übernommen. Aber das war ziemlich schwierig. Erst wollte man einen Termin erst in 14 Tagen „gestatten“. Aber nach dem Hinweis, dass er da ja nicht mehr dort wäre, wurde ein Termin morgens um 6.30 Uhr (!) „vorgeschlagen“. Nach einigem Hin und Her, hat aber dann doch der Wunschtermin am 1. April geklappt.

Und wie war das Prozedere, bis du Ernest gesehen hast?:

E.: Oh je. Das hat gedauert!!! Und man wird nicht vor dem Anmeldetermin reingelassen. Erstmal musste ich in eine kleine Kabine und dort meine Taschen, Mantel, Schlüssel usw. ablegen. Und dann wird man abgetastet, ob nicht irgendwo irgendwas verborgen ist. Ich bin mir wie beim Arzt vorgekommen. Schwierigkeiten habe ich auch mit dem Schließsystem gehabt, wo dann die ganzen Sachen hineinkommen. Eine Besucherin hat mir aber dann dabei geholfen. Sonst hätte ich schon länger gebraucht. Nach einer mindestens halben Stunde „Vorarbeit“ konnte ich dann das Besuchszimmer betreten. Dort sind mehrere Abteilungen mit Tischen. Der Tisch, an dem „Sträfling“ und „Besucher“ sich gegenüber sitzen, ist auch noch durch eine Glaswand abgetrennt. Nur zur Begrüßung und beim Abschied kann man sich umarmen.

Und wie ist der Besuch abgelaufen?

E.: Zuerst einmal: Er hat sich sehr über meinen Besuch gefreut. Er war in Gefängniskleidung: Blaue Hose, roter Pullover, nagelneue Schuhe. Wie gesagt, er hat eine Einzelzelle. Und ich glaube, es geht ihm ganz gut. Aber er ist bestimmt froh, wenn er wieder „draußen“ sein kann. Seine Familie bestimmt auch! Aber schon eine komische Situation mit dieser Glaswand. Die drei Wärter*innen, die den Raum bewacht haben, waren zum Glück zurückhaltend und haben sich unterhalten. Und es waren auch noch andere Besucher bei anderen Sträflingen da. Und die Zeit ging schnell rum. Wir haben nicht so viel von den Gründen, weswegen er in Haft ist, gesprochen. Da war auch keine Zeit dazu. Aber Ernest lässt sich nicht unterkriegen. Das merkt man ihm schon an.

Hat er auch Post von den S21-Gegnern bekommen?

E.: Ja, einige Briefe und Karten. Die werden aber immer gesammelt, und er bekommt sie schubweise. Ich glaube auch, dass er durch diese Solidarität Kraft bekommt, die Strafen zu ertragen. Ich soll auch noch alle unseren MitstreiterInnen von ihm grüßen.

Und wann darf er wieder raus?

E.: Also genau am Sonntag, 7. April, um 10 Uhr! Ich werde ihn auf jeden Fall dort abholen. Und er wird sich ganz bestimmt freuen, wenn andere auch zur Begrüßung da sind!

Für alle, die Ernest abholen wollen:

Sonntag, 7. April, 10 Uhr, JVA Stammheim, Asperger Str. 60, 70439 Stuttgart.

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Ernest erneut in Haft!

Ernest, unermüdlicher Mitstreiter und Aktivist gegen Stuttgart21 und   f ü r  Umstieg21, ist am letzten Samstag, 23. März, wieder in Haft genommen worden. Es geht um eine Anmeldung zu einer Demo und um nicht erfüllte Auflagen zur Demo-Route, die vom Ordnungsamt gefordert wurden.  Ernestine von den SeniorInnen gegen S21 berichtet: Diesen Samstag waren wir wieder bei unserer Anti-Feinstaub-Aktion am Neckartor unterwegs. Auch die Diesel-Demonstranten waren dort. Dann, es war kurz vor 17 Uhr, kamen zwei Polizisten auf uns zu. Wir dachten schon, dass die Diesel-Demonstranten uns weghaben wollten. Ich wollte sie gleich beruhigen, dass wir hier ja friedlich protestieren würden. Da haben die Beamten dann die Katze aus dem Sack gelassen. Sie waren wegen Ernest hier und wollten ihn gleich mitnehmen und ins Gefängnis stecken. Einfach so von der Demo weg“. Tatsächlich nehmen die Beamten Ernest sofort in Gewahrsam. Und es bleibt kaum Zeit, das Plakat, das Ernest immer umhängen hat, weiterzugeben und noch einige kurze Instruktionen zu geben. Ernest wird in die JVA Stammheim gebracht.

Hintergrund:

Am 8. Mai 2018 , zum Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus, hatte Ernest einen Demonstrationszug angemeldet. Ziel sollte die Stuttgarter Friedenskirche sein, wo die Gesellschaft für Frieden und Kultur gemeinsam mit den SeniorInnen gegen Stuttgart21eine Veranstaltung organisiert hatte. (s.a. Blogbeitrag  „Ein Parkspaziergang. Bericht über den Demoaufzug am 8. Mai“ ). Der Demozug hielt sich jedoch am Anfang nicht an die vom Ordnungsamt angeordnete Route: Die Demonstranten sahen nicht ein, weshalb sie weitab vom Schuss durch den menschenleeren Park laufen sollten. Sie wollen sich lieber auf der Schillerstraße Gehör und Öffentlichkeit verschaffen. Diese Abweichung wurde Ernest, als Anmelder, zum Verhängnis. Ihm wird, während er im Urlaub ist, ein Strafbefehl über 225 Euro zugeschickt. Die Behörden nehmen ihm seine Abwesenheit, trotz Fahrkartenbelegs, nicht ab und verwehren ihm somit die Möglichkeit, Widerspruch gegen den Strafbefehl einzulegen.

Ernest weigert sich bis heute, diesen Betrag und die entstandenen Gerichtskosten zu bezahlen. Deshalb ist er jetzt festgenommen worden und sitzt zur Verbüßung der Strafe in der JVA Stuttgart-Stammheim. Die SeniorInnen gehen davon aus, dass Ernest ganze 15 Tage in Haft bleiben wird.

Ernest hat seinen Glauben an die Rechtssprechung zu Stuttgart-21-Angelegenheiten nicht aufgegeben. Und noch immer kämpft er um Gerechtigkeit und freie Meinungsäußerung. Er ist von seiner Pflicht überzeugt, das öffentliche Unrecht, wie bei Stuttgart21, anzuprangern, wann immer möglich. Das gilt auch für das Unrecht, das ihm, seinem Empfinden nach, auch selbst widerfährt. Ein vorzeitiges Begleichen der Geldstrafe lehnte er deshalb ab.

Man fragt sich manchmal, ob Ernest nicht hätte einfach bezahlen sollen. Aber wer Ernest kennt, weiß, dass er keine Kompromisse eingeht. Deshalb sollte man ihm zeigen, dass er zwar in diesem Moment allein in der JVA sitzt, aber ein großer Teil der Stuttgart21-Gegner sich mit ihm solidarisiert und bei ihm ist. Er war bei seinem letzten Gefängnisaufenthalt sehr glücklich über Post von „draußen“.

Deshalb: Schreibt ihm bitte. Egal ob Brief oder Karte. Ernest würde sich bestimmt sehr freuen! Hier die Adresse:

Ernest Petek, c/o JVA Stammheim, Asperger Str. 60, 70439 Stuttgart.

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Jugend gegen Niedertracht – Ein Beitrag zu FRIDAYS FOR FUTURE

Helmut Gerber von den SeniorInnen gegen Stuttgart21 und den AnStiftern  hat sich ebenfalls Gedanken zu der jungen Bewegung fridays for future gemacht und ein Gedicht darüber geschrieben.

JUGEND GEGEN NIEDERTRACHT

„Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere“,
und alle diese großen Tiere,
die gehen all auf allen viere.
Der Mensch ist letztlich auch ein Tier,
doch geht auf zwei er nur statt vier.
Er ist „aus krummem Holz geschnitzt“
und leider meistens nicht gewitzt,
weshalb seit je die meisten Leute
begreifen jeweils sich als Beute
und sind daran, sich zu entzwein
und schlagen sich die Schädel ein.
Erfolgreichst sind auch hier die Großen,
Brutalsten unter allen Bossen.
Zur Hölle macht der Mensch die Welt
mit geiler Gier nach Macht und Geld!
Das Tierreich ist so töricht nicht,
und Umkehr wäre Menschenpflicht!
Die Weltwirtschaft rotiert zu sehr,
vergiftet Erde, Luft und Meer!
Natur noch nie war so bedroht;
es droht die „Heißzeit“ mit dem Tod!
Doch sieh, „das Rettende wächst auch“;
Vernunft kommt wieder in Gebrauch:
Ein Schwedenmädchen tat bewirken
Revolten in Globalbezirken;
Viel Jugend streikt und bringt in Schwung
den Ruf totaler Änderung
der Lebensweise, die beschwert,
daß Zukunft bleibe lebenswert!
Millionen Schüler sind zu sehen,
die freitags auf die Straßen gehen,
die sich die Demos nicht verkniffen,
die Schülerinnen inbegriffen.
Sie demonstrieren laut, mit Pfiff,
Moral ist ihnen ein Begriff!
Damit wird Schluß mit „großen Tieren“:
Fahrt bitte fort, zu protestieren!
Ein Vorbild bleibt für Ältre auch,
zu machen davon mehr Gebrauch!
Man habe tunlichst es kapiert:
Ziviler Ungehorsam ziert!

H.G. III/19
(aus ‚Helmuts Gebrauchslyrik’)

(Dr. Helmut Gerber, 70619 Stuttgart)

(Gedichte allg, Helmuts Gebrauchslyrik, Jugend_gegen_Niedertracht_.doc)

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Zweiter Verhandlungstag wegen „falscher Verdächtigung“

Gruppenbild mit „fans“: Ernest lässt sich nicht unterkriegen!

Fortführung der Berufungsverhandlung vom 28. Februar 2019 „wegen falscher Verdächtigung“. Ein sehr subjektiver Bericht:

Vorgang: Bei einem Frühstück auf der Baustelle am 22.12.2015 wurde Ernest von einem LKW-Fahrer hart angegangen, der ihn zuerst mit seinem Fahrzeug, den Ernest blockierte, weiterschob und ihn dann von seinem Fahrzeug wegzerren wollte und ihn bei diesem Vorgang an der Schulter verletzte. Ernest hatte seinerzeit noch am gleichen Tag Anzeige wegen Körperverletzung gestellt. Die Anzeige wurde jedoch nicht weiter verfolgt bzw. niedergeschlagen. Statt dessen kam es zu einer Strafverfolgung gegen Ernest und seiner anschließender Verurteilung wegen „falscher Verdächtigung“ des LKW-Fahrers, bei der Ernest vom Richter für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 10,00 Euro, insgesamt also 600,00 Euro, verurteilt wurde.

Bekanntlich wurde ein weiterer Termin festgesetzt. Noch beim ersten Verhandlungstermin am 28. Februar hatte Ernests Verteidiger die §§ 153 und 153 a ins Spiel gebracht. Deshalb sah man zwar der Fortführung dieses Prozesses mit Spannung entgegen, glaubte aber insgeheim an eine Einstellung des Verfahrens. Aber weit gefehlt: Ernest hatte seinem Rechtsanwalt eine Absage erteilt – den deal mit der Staatsanwaltschaft lehnte er ab. „Ich will nicht vom Opfer zum Täter abgestempelt werden“ sagte er. Daraufhin legte sein neuer Verteidiger das Mandat nieder. Ernest stand also ohne anwaltlichen Beistand vor Gericht.

Schon gleich zu Anfang der Verhandlung: Die Stimmungslage war eine andere  als bei der Verhandlung am 28. Februar. Streng, unerbittlich, öfters auch Ernest mal die „Leviten“ lesend, oder was immer sie darunter verstand, so kam mir heute die Richterin vor. Mir schwante,  wie das Verfahren enden würde. Ernest Erläuterungen und Einlassungen, die nicht einmal so weitschweifig waren, wie sonst von ihm gewohnt, kamen bei den Zuhörern gut an, aber die Richterin hatte sich offensichtlich vorgenommen „Tacheless“ zu reden und ging mit unerbittlicher Strenge vor. Wehe, wenn er mal dazwischen redete, gleich wurde er ermahnt. Die Atmosphäre schien emotional aufgeladen: Da täuschten auch die betont teilnahmslosen Gesichter der Schöff*innen nicht hinweg.

Aber von Anfang an:  Zu Beginn erwartete Ernest und die Zuhörerschaft  eine schiergar nicht enden wollende Aufzählung von zahlreichen „Straftaten“ im Zusammenhang mit Stuttgart21, die zu einer Verurteilung von Ernest geführt hatten. Einem unvoreingenommenen Zuhörer musste  Ernest als ein notorischer Straftäter erscheinen. War das Kalkül der Richterin?  Mir erschien es jedenfalls so. Ernest wiederum parierte brilliant und bemängelte in seinen Ausführungen, dass die Richterin bei ihren Aufzählungen nicht erwähnte, dass zahlreiche Verfahren auch eingestellt wurden bzw. er freigesprochen wurde. Damit zeigte er auf,  auf welchen tönernen Beinen die Anschuldigungen und Verurteilungen  gestanden hatten. Das ließ die Richterin wiederum nicht gelten und wies darauf hin, dass Freisprüche nicht im Strafregister aufgeführt würden. Aha! Ernest hatte dadurch aber zumindest einen guten Übergang,  seinen Standpunkt sowie seinen Widerstand gegen das „Unrechtsprojekt Stuttgart21“ zu erklären. So ging es eine Weile hin und her. weiterlesen »

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Backe backe Kuchen oder der diskrete Charme des Innehaltens der S21-Bewegung

Der  Protest gegen das Immobilienprojekt Stuttgart 21 richtet sich gegen Naturzerstörung und für  den Erhalt einer lebenswerten  Umwelt. Dafür gehen wir auf die Straße und einige sogar ins Gefängnis.

Spät, aber hoffentlich nicht zu spät, sind junge Leute darauf gekommen, dass etwas den Bach runter geht  – mit der Umwelt, dem Klima, mit der Politik und mit ihrer Zukunft. Es hat nur eines Anstoßes von der „richtigen“ Stelle bedurft, um sich selbst betroffen zu fühlen. Eigene Betroffenheit ist fast immer die Ursache, wenn Menschen auf die Straße gehen und protestieren.   Weniger sind es die sozialen Missstände und/oder erlittenes Unrecht anderer.  Die Friedensbewegung hat nur deswegen viele Anhänger*innen auf die Straße gebracht, weil die Menschen sich von einem eventuellen Krieg bedroht fühlten (Standort der Perching-Raketen, Nato-Doppelbeschluss) oder bei der AKW-Bewegung die Angst vor dem SuperGau durch die  Fukushima-Katastrophe, die sie auf die Straße gehen ließ.

Dass es bei dem Klima-Protest ums Große und Ganze geht, um die Zukunft und es auch bei unseren Protesten nicht „nur“ um einen Bahnhof,  wissen wir doch längst. Ich frage mich aber, warum es ein gefühlte Ewigkeit gedauert hat, bis die Themen Klima, Feinstaub, Wohnmisere auch bei den Montagsdemos zur Sprache kamen.  Im Grunde sind die Montagsdemos zum verlängerten Arm der Juristen und Ingenieuren geworden. Ich bezweifle um Gottes willen nicht die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und Untersuchungen. Das muss erhalten bleiben. Auch davon „nährt“ sich die Bewegung. Aber mit rechtlichen und technischen Schwerpunkten allein können wir keine Zuläufe erwarten, von den Jungen schon gar nicht.

Leider übt sich ein Teil der Bewegung gegen S21 bewusst in vornehmer Zurückhaltung.  Hilfestellung ist schon o.k. – aber nur in Form von Brot- und Kuchenständen oder dezentem Kärtchenzeigen mit „Danke“-Hintergrund. Ach, es ist ja auch so rührend, wenn eine Seniorin einen Berg Kuchen anschleppt, um die hungrigen Mäuler zu stopfen und  sich die Alten devot und altersweise bei den Jungen bedanken!  Ansonsten aber bitte  im Hintergrund halten und  nicht  von vorneherein  alles durch Einmischung und Beckmesserei verderben.   Ins gleiche Horn stößt auch das Aktionsbündnis in der Info Nr. 157: „Belehren, Besserwissen, altkluges Reinreden wären das letzte. Die Jungen haben sehr schnell eigene Protestformen entwickelt, von denen wir einiges lernen können. Sie werden ihren Weg finden. Wie auch immer die ausdrücklich gewünschte Unterstützung auch von den Älteren aussehen könnte, muss besprochen und geklärt werden.  …“Man/frau hört es und staunt. Da wird anscheinend von den Macher*innen von fridays for future  „ausdrücklich Unterstützung gewünscht“ und gemacht wird – gar nichts. Denn „Es muss noch besprochen und geklärt werden“.  Bei dem Tempo also zum Sankt Nimmerleinstag. Und dann noch „Wir sind dabei, in welcher Form auch immer!“ – Leider hat sich die Form dann am 15. März hauptsächlich in der „teilnehmenden Beobachtung“ gezeigt. Aber was Wunder bei den vielen ehemaligen Lehrern in der Bewegung gegen Stuttgart 21.

Dazu passt auch perfekt die in der Pädagogik bekannte Erziehungsmethode von TRIAL AND ERROR und der OPERANTEN KONDITIONIERUNG.   Für die wenigen aus der Bewegung, die nicht im weitesten Sinne mit Pädagogik zu tun haben (!): Die operante Konditionierung bezeichnet das Lernen durch Versuch und Irrtum. Bedingt durch ein Ereignis, das auf ein gezeigtes Verhalten folgt, wird das Verhalten entweder häufiger oder seltener auftreten. Die eintretenden Ereignisse oder Konsequenzen werden in Verstärker und Bestrafung unterteilt. Verstärker und Bestrafung können entweder hinzugefügt oder entfernt werden. Dazu gehört auch die Trial and Error-Methode (Versuch und Irrtum). Durch eigene Erfahrung (wenn sie auch manchmal weh tut) lernt man am schnellsten.

Also Leute und liebe Lehrer, lasst sie ihre Erfahrungen machen. Deshalb: Ruhig abwarten, erstmal Zugucken, dezent Mitjubeln geht auch,  ebenso verschämt Hintanstehen, dabei Bekannten aus  anderen Gruppierungen und  Organisationen freundlich gefasst zunicken,  auch missbilligend, wenn die MLPD wieder mal mitmischt und viiiiel fotografieren.  Ah, man kennt sich ja. Für den Anfang ist das genug.   Bestrafungen,  Verbote, und  Aussitzen erledigen schon andere. Ganz verlässlich. Bis alle jungen Demonstrant*innen selbst auf die Nase fallen. Wiederholung dann ausgeschlossen. Sie haben nämlich gelernt. Ja, so muß es klappen!

 

 

 

 

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Wolfgang Sternstein zum 80. Geburtstag – eine Würdigung

Nachstehend der Artikel auf BAA, geschrieben von Petra Brixel, anlässliches des Geburtstags von Wolfgang Sternstein am 12. März 2019.

Wolfgang Sternstein – ein Aktivist wird 80 !

In der letzten Zeit ist es ruhig geworden um Wolfgang Sternstein, der am 12. März 2019 seinen 80. Geburtstag begeht. Mehrmals stand Sternstein jedoch bei Montagsdemos auf der K21-Bühne, um vom Widerstand, vom Zivilen Ungehorsam und von seinem Prozess vor dem Landgericht im Jahr 2015 zu sprechen. Nach persönlichen Schicksalsschlägen hat er sich zurückgezogen, doch nach wie vor kommt er zu den Montagsdemos, als aufmerksamer Zuhörer.

Wir in der Anti-S21-Bewegung kennen Wolfgang Sternstein, den großen, ernst und doch  gütig dreinblickenden, meist in schwarz gekleideten Mann mit weißem Bart nur als Aktivisten gegen das Bahnhofsprojekt S21. Doch Wolfgang Sternstein ist viel mehr! Er war Aktivist sein ganzes Leben, durch und durch. Seine große aktive Zeit war vor S21. Und wenn das Alter von 80 Jahren ihm nicht auftragen würde, nun kürzer zu treten, dann wäre er sicher auch im Hambacher Forst, bei Castor-Demos und vielen anderen Protestformen in vorderster Front.

Wolfgang Sternstein ist Friedensforscher und Friedensaktivist, er hat seit den 1970er Jahren an zahlreichen gewaltfreien Aktionen teilgenommen, er stand mehr als ein Dutzend mal vor Gericht und war neunmal für sein Engagement im Gefängnis. Zwischen vier Tage und einem halben Jahr Haft brachten ihm diverse Gerichtsverfahren aufgrund von Widerstandshandlungen ein; insgesamt verbrachte er 14 Monate in Gefängnissen. Aber es wäre nicht Sternstein, wenn er nicht sagen würde: „Verglichen mit dem, was amerikanische Pflugschärler auf sich genommen haben, ist dies nicht der Rede wert.“

Als Konfliktforscher war in den 1970er Jahren Mitarbeiter der Berghof-Stiftung für Konfliktforschung und in den 1980er Jahren im Vorstand beim Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU, heute BUND). Schon allein diese kurzen Informationen zeigen, mit welchen Themen und wie intensiv Sternstein sich um die Zukunft der Menschheit gekümmert hat. Seine Friedensliebe und die Sorge um die Zukunft der Menschheit bezog er aus dem Leben und Wirken und den Schriften seines geistigen „Ziehvaters“ Mahatma Gandhi. Dessen Lehren verarbeitete er über die Jahre in seinen Büchern „Mahatma Gandhi. Die Lehre vom Schwert und andere Aufsätze“, „Gandhi. Ausgewählte Werke in fünf Bänden“ und „Mahatma Gandhi – Der Weg der Wahrheit“.

Seine Beschäftigung mit der Religion mündete in die Bücher „Gandhi und Jesus – Das Ende des Fundamentalismus“ und „Bibelkritik – Brauchen wir eine zweite Reformation?“ Passend zu seinem politischen und gesellschaftlichen Engagement schrieb er die Werke  „Marx-Lenin-Mao. Darstellung und Kritik der marxistischen Gesellschaftsanalyse“,  „Pershings zu Pflugscharen. Dokumente einer Abrüstungsaktion“  und „Überall ist Whyl. Bürgerinitiativen gegen Atomanlagen“.

Seine größte Sorge galt dem Umgang mit der Atomenergie. Die Bedrohung der Menschheit durch Atomkraft und damit ihre Auslöschung war über Jahrzehnte sein innerstes Anliegen, als Aktivist sowie als Publizist. Sein Platz war – lange vor dem Widerstand gegen S21 – in der Anti-Atomkraftbewegung, die er als eine der erfolgreichsten sozialen Bewegungen der jüngeren Geschichte Deutschlands ansieht. Einige der heutigen Anti-S21-AktivistInnen kennen ihn noch aus dieser aufregenden Zeit; sie hatten Seite an Seite mit ihm für den Ausstieg aus der Atomkraft gekämpft. Dieses jahrzehntelange hartnäckige Engagement ist  nachzulesen in seinem faszinierenden Buch „Atomkraft – nein danke – der lange Weg zum Ausstieg“, in dem Sternstein eine Analyse der Bürgerbewegungen von Wyhl bis Gorleben vorlegt. Er beschreibt darin auch Methoden und Strategien gewaltfreier Aktionen, was für Leser, die über den reinen „Demo-Tellerrand“ hinausblicken wollen und die sich mit  dem Erfolg und Misserfolg von sozialen Bewegungen beschäftigen, eine absolut lesenswerte Lektüre ist.

Sein Vermächtnis, sein Appell an alle, die sich um die Menschheit sorgen, ist sein 2017 herausgekommenes Buch „Endzeit – Hoffnung und Widerstand im Atomzeitalter“. Dazu schreibt er: „Es gibt viele wichtige Fragen, aber nur eine, deren Bedeutung alle anderen weit überragt: Es ist die Frage, ob die Menschheit im Atomzeitalter überleben wird.“ Seine in dem Buch dargestellten Analysen gehen weit über den Konflikt Kernkraft hinaus, denn er schreibt all das auf, was ihm Zeit seines Lebens die dringendsten Themen war: Krisenherde, Friedensbewegung mit ihren Aktionsformen, Völkerrecht, kapitalistische und kommunistische Ideologie, Christentum, Gandhi und Alternativen zur militärischen Verteidigung, um nur einige Aspekte zu nennen. Sein Fazit ist vernichtend: „Die Menschheit, das ist meine Diagnose, ist todkrank. Es geht mit Riesenschritten dem Untergang entgegen. … Im Unterschied zu früheren Generationen haben wir die Welt erforscht … und wir erweisen uns doch als unfähig, Konflikte auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens anders als durch Gewalt zu lösen, das heißt, sie nicht zu lösen, sondern zu verschärfen und zu vermehren. Wer vermag dieses Rätsel zu lösen?“

Was wird Sternstein zu der Ende 2018 entstandenen Bewegung „Fridays for Future“ sagen? Auch die jungen Menschen dieser Bewegung sehen klar, dass die Menschheit mit Riesenschritten dem Untergang entgegengeht, dass die Zukunft massiv, wenn nicht tödlich bedroht ist. Ihr Ansatzpunkt ist der Klimawandel, doch der Aufschrei ist ähnlich. Steht auch diese Bewegung in der Gefahr instrumentalisiert und in „richtige“ Bahnen umgeleitet zu werden, nach dem Motto „Umarme deine Feinde“?

Im Titel des oben erwähnten Buches steht das Wort „Hoffnung“. Und am Ende des Buches schreibt Sternstein: „Wir hatten die Wahl, und wir haben den falschen Weg gewählt. Aber das heißt nicht, dass nicht jede und jeder von uns die Freiheit hat, von nun an den richtigen Weg zu wählen.“ Also doch noch Hoffnung am Rande des Abgrunds? Sind die jungen Leute von „Fridays for Future“ die Hoffnungsträger? Halten sie durch? Wer hört auf sie? Diskutiert wird immer wieder, ob es rechtens sei, die Schule zu schwänzen, da sie doch eine Schulpflicht haben. Da wäre nun Sternstein der richtige Wegbegleiter, der ihnen von der Kraft des Zivilen Ungehorsams erzählen könnte und davon, dass man für eine höhere Sache auch Strafen und Ungemach in Kauf nehmen müsse. Denn genau das war Sternsteins lebenslanges Thema, wenn es um die Aktionsform ging, mit der die Ziele erreicht werden könnten: der Zivile Ungehorsam.

Einfache Demos waren Sternstein nicht genug; es mussten sichtbare, wirkungsvolle Aktionen sein, auf jeden Fall gewaltfrei, wenn es um Menschen ging. Doch Gewalt gegen Sachen war für ihn denkbar als eine symbolische Form von Widerstand. So beteiligte er sich z.B. an der „Abrüstung“ mittels Zerschlagung von Teilen eines Panzerspähwagens, was als Sachbeschädigung geahndet wurde. Nötigung von Fahrzeugen, Blockaden, Platzbesetzungen und Sachbeschädigung von militärischem Gerät – all das setzte Sternstein für das Überleben der Menschen (und somit gegen Atomkraft und Aufrüstung) ein, auch wenn er dafür – nach der damals und bis heute gängigen Rechtsprechung – bestraft wurde.

Wolfgang Sternstein war der stets zu Diskussionen bereite Protagonist von Zivilem Ungehorsam, und die Anti-S21-Bewegung hat viel mit ihm im kleinen und großen Kreis debattiert, hat sich an seinen Thesenpapieren die Köpfe heiß geredet, hat auch von ihm gelernt. Viele Abende der Theorie und Diskussion gab es in den Jahren ab 2010; er war Mitglied der sogenannten „Blockadegruppe“, der er mit seinen Statements und Schriften viel Futter zur – oftmals auch kontroversen – Diskussion lieferte.

Sternstein fühlte sich oft missverstanden, was die innere Haltung zu einer Strafe wegen Zivilen Ungehorsams anging, denn dass BlockiererInnen und PlatzbesetzerInnen bestraft wurden und werden, war und ist die Regel. Sternstein ließ sich zwar bei Blockaden von der Polizei geduldig abführen (und diskutierte dabei lächelnd und überaus liebevoll mit den Beamten), aber er hat nicht jedes Urteil widerspruchslos hingenommen. Er hat stets Widerspruch eingelegt. Nach seiner Auffassung gehört zum Zivilen Ungehorsam, dass man zwar die Strafe hinzunehmen bereit ist, aber nicht bedingungslos, sondern nur dann, wenn für die Bestrafung der Tat auch eine ausreichende Rechtsgrundlage vorhanden ist.

Da er – im Falle von S21 – bei seinen sieben Sitzblockaden, die er in den Jahren 2010 und 2011 am Nordflügel und am Grundwassermanagement mitgemacht hatte, diese Rechtsgrundlage zur Verurteilung nicht erkannte, hat er gegen eine Strafe durch das Amtsgericht Widerspruch eingelegt. Unvergessen bei seinem Prozess am Amtsgericht ist dabei, wie er den Richter geradezu aufforderte „Verurteilen Sie mich!“, mit dem Ziel, dann eine Berufung am Landgericht erwirken zu können. Es ging dabei um die Verwerflichkeit von Nötigungen, die in der Regel in Stuttgarter Gerichten als gegeben vorausgesetzt wird. Der Richter am Landgericht jedoch setzte sich ausgiebig mit Sternsteins Motivationen auseinander und kam zu der Überzeugung, dass diese sieben Blockaden als nicht verwerflich anzusehen seien. Was einen Freispruch zur Folge hatte.

Sternstein beschäftigte sich intensiv und oftmals verzweifelt mit der Frage, warum der Stuttgarter Widerstand gegen S21 nicht erfolgreicher gewesen ist. In seinen Analysen – die er in den Jahren 2011 und 2012 mit erschreckender Klarsicht verfasste, und die bis heute lesens- und diskussionswert sind -, legte Sternstein immer wieder seinen Ansatz des gewaltfreien Widerstands dar. Dabei heißt für ihn „Gewaltfreiheit“ nicht, Gummibärchen zu verteilen, zu schlichten, abzustimmen, kritisch zu begleiten, zu akzeptieren, respektieren, durch Verfahren legitimieren … nein, er schreibt: „Ziviler Ungehorsam bedeutet massenhafte Regelverletzung, allerdings mit allen existenziellen Konsequenzen.“ Sein Fazit: „ Von dieser Konsequenz war unser bürgerlicher Widerstand immer meilenweit entfernt – und entsprechend zahnlos.“

Wolfgang Sternstein ist diesen konsequenten Weg des Widerstands in seinem Leben bis an die Schmerzgrenze gegangen; nur wenige waren und sind bereit und in der Lage, dies genauso umzusetzen. Er stand stets für die Prinzipien des Friedens ein, mit dem Ziel, die Welt ein Stück sicherer und menschlicher zu machen. War ihm dies alles in die Wiege gelegt? Bestimmt nicht. Es wäre vermessen, Wolfgang Sternsteins Biografie in Kurzform erzählen zu wollen. Sein Leben, das in einem extrem gewalttätigen Elternhaus begann, seine Flucht aus der häuslichen Gewalt, seine geistige Entwicklung in den Studienjahren, die Erlangung des Doktortitels, seine Wehrdienstverweigerung (als dies noch als kriminelles Vergehen geahndet wurde), die Jahrzehnte in den oben erwähnten Widerstandsgruppen, aber auch seine glücklichen Jahre, eingeschlossen seine private Entwicklung, die Kristallisierung seiner Weltsicht, seiner Prinzipien, seiner Philosophie – all das ist in seiner knapp 500 Seiten umfassenden Autobiografie unter dem Titel „Mein Weg zwischen Gewalt und Gewaltfreiheit“ packend nachzulesen.

Erfolge und Niederlagen, Enttäuschungen und Freude an der Schöpfung und mit den eigenen Kindern und Enkeln – trifft das nicht auf fast jedes Leben von 80 Jahren zu, sind das nicht Floskeln? Was Sternstein autobiografisch schildert, ist mehr. Am Ende seines Buches, als Fazit seines Lebens, kommt wieder seine Skepsis zum Ausdruck, ja, sein Eingeständnis, dass  all sein Bemühen und das seiner Wegbegleiter gescheitert ist, da sie für das Ziel der atomaren Abrüstung und für das Ende der Kernkraft  gekämpft hatten.  Sternstein fragt auf der letzten Seite seine Autobiografie: „Sind, vom absehbaren Ende her betrachtet, damit nicht alle unsere Bemühungen um Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Schöpfungserhalt vergeblich? Man kann es so sehen. Ich aber sehe es nicht so, denn für mich trägt jede Anstrengung auf diesen Gebieten ihren Sinn und ihren Lohn in sich selbst, unabhängig vom Erfolg oder Scheitern. Auch möchte ich zu guter Letzt meinen Glauben bekennen: Nichts, was Gutes in der Welt geschieht, ist verloren, aber alles, was Böses in ihr geschieht, ist verloren.“

Für diese „Bemühungen“, die sein ganzes Leben bestimmt haben, die viele Menschen inspiriert, gestärkt und mitgerissen haben, darf er bewundert und geehrt werden. Vielen Menschen war er ein Vorbild, mit vielen hat er im Widerstand gegen Unrecht gekämpft. Dafür sei Wolfgang Sternstein gedankt, verbunden mit einem herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag!

(Text: Petra Brixel; Foto: Wolfgang Rüter)