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Von den unheimlichen …Löchern bei Stuttgart 21!

Baum mit einem Loch tree-bark-928529_1280JETZT IST ES SOWEIT: Am 14.8.2019, also Mittwoch, wird die große Schalterhalle jahrelang gesperrt, damit die unsägliche Neugestaltung des „Herzstücks“ des Bonatz-Baus beginnen kann: Hotel – Mall – Glasböden etc. Auch an der äußeren Fassade des „Arkadengangs“ wird später nichts mehr davon zu sehen sein! Man lese sich den Redebeitrag von Norbert Bongartz am 29.7. genau durch. Man kann nicht genug entsetzt sein!!! Und wütend!!! ES IST EINE SCHANDE!!!

Von unheimlichen Löchern bei S21

Rede von Dr. Norbert Bongartz, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, auf der 474. Montagsdemo am 29.7.2019

Liebe angesichts der so vielen unerträglichen Falschheiten bei S21 mit-leidende und mit-zornige Freunde,

weil ich kein junger Hüpfer mehr bin, hab ich heute die Rolle eines Springers übernommen. Denn als letzte Woche ein Loch in der Besetzungsliste der ins Auge gefassten Hauptredner entstanden war, bin ich kurzfristig in dieses hinein gesprungen.Damit bin ich schon beim Thema meines Vortrags angekommen: Bei den vielen Löchern, die den Weg von S21 säumen. Von denen gibt es sehr viele, die Stoff für weitere Reden abgeben könnten:

  • Da ist erst einmal das riesige Baustellen-Loch hinter dem Bahnhofsturm;
  • dazu kommt das nicht minder große Finanzloch, vor dem die Bahnmanager stehen;
  • dann gibt es die vielen aufgerissenen Löcher in den Versprechungen der Bahn und ihrer Projektpartner;
  • des Weiteren wird das Loch in der Terminplanung der Bauarbeiten von Jahr zu Jahr größer.
  • Und: der grob gestrickte Fahrplan der DB für den geplanten Tiefbahnhof hat sich – allen Beteuerungen zum Trotz – als so fadenscheinig oder löcherig erwiesen, dass die Planer auf den Kopfbahnhof, auf die oberirdischen Gleise nicht verzichten können.

Von all diesen Löchern will ich heute nicht – oder kaum – reden.

Heute will ich von den noch nicht sichtbaren, aber geplanten und demnächst entstehenden neuen Löchern im dem Teil des Bonatzbaus sprechen, der bislang von den üblen Verstümmelungen des Hauptbahnhofs verschont war. Es geht mir heute um die geplanten Löcher im Boden der Großen Querhalle und die in der Bahnhofsfassade über der langen Pfeilerhalle, der so genannten „Arkade“ beabsichtigten Löcher.

Mittig über jeder der Pfeileröffnungen der Arkadenfront befindet sich eine auf den ersten Blick verhältnismäßig kleine rechteckige Fensteröffnung 1,30m breit und 1,70m hoch, mit einem zweiflügeligen, in je zwei mal vier Felder horizontal sprossierten Fenster.

Die von Architekt Ingenhoven entworfenen Pläne der Deutschen Bahn sehen an dieser Stelle einen zweistöckigen, um mehrere Meter zurückversetzten Hotel-Aufbau vor, was zur Folge haben wird, dass man hinter diesen Fensteröffnungen in den Himmel sehen wird.

Wir kennen offene Fensterlöcher von Bildern kriegszerstörter Gebäude oder von Burgruinen. Die Hotelpläne werden folglich zu einer Teil-Ruinierung der bislang noch intakten historischen Bahnhofsfassade führen.

Was mich als ehemaligen Denkmalpfleger – oder konkreter: als ein ehemals mit der Rückendeckung eines Landesgesetzes mit der bestmöglichen Erhaltung baugeschichtlicher Dokumente beauftragten Konservator immer noch erbost: Diese nicht unwesentliche Beeinträchtigung der Bahnhofsfassade geschieht in der Sache ohne jede Notwendigkeit – sie ist völlig unnötig, wie ich mit dem Enkel von Paul Bonatz, Peter Dübbers festgestellt hatte.

Wir konnten nämlich der Bahn und der Stadt als Genehmigungsbehörde nachweisen, dass man diese Fenster problemlos weiter nutzen könnte, wenn man das untere der beiden Hotelgeschosse bis an die Fassade heranrückt. Dies habe sogar den Vorteil, im Hotel-Inneren mehr Platz, mehr Bewegungsraum vor den Hotelzimmern zu gewinnen. Eine entsprechende Auflage zugunsten der Denkmalpflege sei daher mehr als nur zumutbar – sie sei geradezu zwingend boten.

Doch: Architekt Ingenhoven ließ uns wissen: Ich will nicht. Der von uns angerufene Bau-bürgermeister Peter Pätzold versteckte sich feige hinter der Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege, dem man zuvor weis gemacht hatte, die Hotelpläne seien bereits in einem früheren Planfeststellungsverfahren rechtlich abgesegnet worden… Und die Spitze des ebenfalls von uns angerufenen Regierungspräsidiums und das übergeordnete Ministerium hüllten sich in Schweigen…

So erlebten wir – Peter Dübbers und ich – einmal wieder, welche vermeidbaren „Kollateralschäden“ bei diesem landespolitisch abgesegneten unseligen Großprojekt ungerührt, ja billigend in Kauf genommen werden.

Was also künftig in der Bahnhofsfront erkennbar sein wird, ist eine weitere gestalterische „Duftmarke“ des eitlen und selbstgefälligen Architekten Christoph Ingenhoven.

Dies war nicht der letzte Streich – denn der nächste folgt sogleich:

In wenigen Tagen wird die Bahn die Große Querhalle sperren, um diese in den nächsten Jahren in eine neue Shopping-Mall umzubauen. Im Zuge der Bauarbeiten sollen im Boden der Halle große Aussparungen, zu Deutsch: große Löcher eingeschnitten werden, um Licht und Blickkontakte in das darunterliegende Stockwerk fallen zu lassen, wo künftig die „Haupt-Musik“ des Tiefbahnhofs gespielt werden soll.

Man mag diese Löcher getrost als weniger problematisch für die Querhalle empfinden, da diese nicht mehr die Handschrift von Paul Bonatz zeigt. Denn vor den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg hatte sie eine kräftig profilierte flache Holzbalken-Decke und ein offenes Backsteinmauerwerk. Bei ihrer Wiederherstellung nach dem Krieg wurden die Wände bis auf wenige Aussparungen hell überputzt und eine nach unten offene schlichte Dachkonstruktion aus Beton aufgesetzt.

Doch erscheint mir die neuerlich geplante Umbaumaßnahme unsinnig früh, solange es immer noch nicht sicher ist, ob der Tiefbahnhof jemals eine Betriebsgenehmigung erhalten kann – aufgrund seiner zu geringen Kapazität, seiner unverantwortlichen Schrägneigung, der ungenügenden Fluchtmöglichkeiten, der mangelhaften Rauchsicherheit und der enormen Feinstaubbelastung.

Stellen Sie sich vor, es heißt eines Tages: Wir haben uns mit S21 verkalkuliert und können aus den vielen, uns hier sattsam bekannten Gründen doch nicht auf den Kopfbahnhof verzichten – und dann, dann funktioniert der Plan B nicht mehr mit dem Umbau der Großen Querhalle…

Ich ziehe folgendes Fazit daraus:

Mir scheint, die Bahn hat sich hier einmal wieder selbst Scheuklappen angezogen, um alle für sie unbequemen Argumente nicht sehen zu müssen.

Ihr auf den Hacken steht – zunehmend halbherzig – die Landesregierung, die Flughafen-AG und die Stadtverwaltung, voran OB Kuhn, die wie Rumpelstilzchen auf den möglichst baldigen Abbau aller oberirdischen Gleise drängeln. Sie umklammern sich gegenseitig, mit einem Dolch in der Tasche, und wollen den einzig vernünftigen Ausweg für alle Beteiligten nicht sehen: Den UMSTIEG auf den Kopfbahnhof, ohne Wenn und Aber.

Ihnen rufe ich zu: Mit Euren Lügen fressen sich Löcher in Eure Seelen hinein! Unser Heilmittel dagegen heißt: Oben bleiben!

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3 Kommentare zu “Von den unheimlichen …Löchern bei Stuttgart 21!

  1. Aus heimlich kann leicht unheimlich werden, also wenn die Befürchtungen der Heimlichtuer sich bestätigen, dass _ihre_ Heimlichkeiten doch an die Öffentlichkeit geraten sind.

    Dieser Vorgang „Eine vertrauliche Debatte“, veröffentlicht in der StZ am 14. Januar 2010 von Jörg Nauke – Stuttgart 21 | CDU wollte Bürgerbefragung
    Der Kreischef selbst gibt sich zugeknöpft:
    „Natürlich haben wir nach der Kommunalwahl vom 7. Juni das Thema Stuttgart 21 nochmals intern diskutiert.“ Die Debatte hinter verschlossenen Türen sei vertraulich gewesen.“

    Wie erst jetzt bekannt wurde, waren nach Informationen der Stuttgarter Zeitung damals mit Ausnahme von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster alle CDU-Granden insbesondere aus Kreisvorstand und Ratsfraktion für eine Initiative, die offenbar von dem Kreisvorsitzenden Michael Föll ausgegangen war.

    CDU stand unter Druck

    OB Schuster freilich soll sich „mit Händen und Füßen“ gegen eine solche Bürgerbefragung gewehrt haben, weil die Konsequenzen einer zum damaligen Zeitpunkt zu erwartenden Abstimmungsniederlage – ein Votum der Bürgermehrheit für die Erhaltung des Kopfbahnhofs – vor allem ihn betroffen hätten. Schließlich hat sich der CDU-Rathauschef massiv für das Projekt eingesetzt und Stuttgart 21 als alternativlos dargestellt. „Der OB wäre doch mit heruntergelassenen Hosen dagestanden, wenn ihm seine eigene Partei zu diesem Zeitpunkt in den Rücken gefallen wäre“, heißt es im Rathaus.

    +++
    Was lässt sich aus diesen Textstellen entnehmen? Die zum Meineid führende Handlungsweise der STAATSDIENER:
    „offenbar von dem Kreisvorsitzenden Michael Föll ausgegangen war.“
    Ein Bürgermeister kann nicht Kreisvorsitzender einer Partei sein, auch nicht in einer anderen Funktion innerhalb einer PARTEI, welcher Couleur auch immer!!!
    Jeder Bürgermeister steht alleine gegenüber der Gemeinde in Verpflichtung – nicht einer einzelnen Gruppierung gegenüber! [1]

    [1] StN Von Josef Schunder 01.02.2010 – 08:07 Uhr Schuster warnt: Bürgermeisterjob ist kein Parteiamt
    STUTTGART. Über die Nachfolge von Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch (FDP)

    Schuster erinnerte auch daran, dass es sich um ein öffentliches Amt handle, nicht um ein Parteiamt. Es gelte auch den Anschein der Parteilichkeit zu vermeiden. Der Gemeinderat habe nach öffentlicher Ausschreibung gemäß der fachlichen Qualifikation zu entscheiden. … http://up.picr.de/31201052ve.pdf

    Liken

    • 16.08.2018 Buch vom Soziologen Michael Hartmann „Die Abgehobenen | Wie die Eliten die Demokratie gefährden [2]

      Übrigens… Es gibt _keine_ Eliten, von denen die Definition „soziologisch eine Gruppierung überdurchschnittlich qualifizierter Personen“ erfüllt werden könnte – selbsternannte, die tatsächlich hochstapeln!
      Tatsächlich halten sich die _unqualifiziertesten_ gegenseitig in den Entscheidungspositionen!!!

      Also gleich angewandt auf den StN Artikel „Schuster warnt: Bürgermeisterjob ist kein Parteiamt STUTTGART. Über die Nachfolge von Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch (FDP)“
      ***Kein Parteiamt meint Schuster – Müller-Trimbusch (FDP) – _kein_ Parteiamt***

      StZ Von Jörg Nauke 10.09.2010 Bürgerentscheid | OB Schuster kritisiert Palmer

      Streit über Kostensteigerung
      … Der Betrag basiert
      auf einer angeblichen Kostensteigerung von 360 Millionen Euro, die die SPD Kandidatin Ute Kumpf vor der OB-Wahl öffentlich gemacht hatte; die Stadt hätte ein Drittel bezahlen müssen. Im Streitgespräch mit Kumpf nannte Schuster nach der Vereinbarung mit Palmer eine Milliarde Euro als Schallgrenze.

      Lobbycontrol 26. Sept. 2012 Stuttgart 21: wie die Bahn den Bürgermeister-Wahlkampf 1996 beeinflusste https://www.lobbycontrol.de/2012/09/stuttgart-21-wie-die-bahn-den-burgermeister-wahlkampf-1996-beeinflusste/

      [2] Eine Rezension von Wolfgang Kastrup https://www.diss-duisburg.de/2018/11/eliten-gefaehrdendemokratie/ Auszug:
      In Deutschland habe besonders die Bundesregierung unter Gerhard Schröder u.a. mit der Agenda 2010 für eine Umverteilung gesorgt, die dann unter Angela Merkel mir ihrer „marktkonformen Demokratie“ weiter betrieben worden wäre. Die Eliten glaubten, für sie gelten eigene Regeln: Nach dem Glaubwürdigkeitsverlust nach der Finanzkrise von 2007/8 folgte eine ganze Reihe von Steuer- und Finanzskandalen, wie u.a. die vielen Steuerhinterziehungen und die kriminellen Cum-Cum und Cum-Ex-Geschäfte unterstreichen.

      DLF Kultur – Lesart 06.10.2018 Eigennutz vor Gemeinsinn https://www.deutschlandfunkkultur.de/michael-hartmann-wie-die-eliten-die-demokratie-gefaehrden.1270.de.html?dram:article_id=429897
      Die Eliten bildeten keine tragende Säule der Gesellschaft, sondern höhlten die Demokratie zunehmend aus, kritisiert der Soziologe Michael Hartmann. Er fordert eine Abwendung vom neoliberalen Kurs der Politik, von dem vor allem die Eliten profitierten.
      30.09.2018 Soziologe Michael Hartmann über deutsche Eliten – Getrennte Lebenswelten
      29.07.2018 Philosophischer Kommentar zum Klimawandel – Plant die Elite ihren Abflug?
      15.04.2018 Helmut Lethen: „Die Staatsräte. Elite im Dritten Reich“ – Politischer Maskenball

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    • Hallo Jürgen,
      nachfolgend für alle Leser*innen deine Berichtigung.
      Schöne Woche ebenfalls!


      In meinem Antwortkommentar auf „Aus heimlich kann leicht unheimlich werden“
      ist in der Link-Adresse „diss-duisburg.de/2018/11/eliten-gefaehrdendemokratie/“
      ein Bindestrich nicht enthalten, so dass die Startseite angezeigt wird.

      Lässt sich die Korrektur durchführen?
      https://www.diss-duisburg.de/2018/11/eliten-gefaehrden-demokratie/

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