2 Kommentare

Mir wird manchmal gesagt: „Ach, du Träumer…“

Axel, langjähriges Mitglied und Aktivist bei den SeniorInnen gegen Stuttgart21, kandidiert zum ersten Mal für ein politisches Amt im Gemeinderat Marbach und im Kreistag. Hier seine Kurzvita und seine Motivation für diesen Schritt:

Axel Sauter, 68 Jahre, 3 erwachsene Kinder, seit 1993 wohnhaft in Rielingshausen. Ehemaliger Beruf: Maschinenbauingenieur. Aktuell: stundenweise Arbeit für die Diakonie (Essen auf Rädern und Betreuung). Mitglied im ADFC Marbach, im Asylkreis Marbach, in der DFG-VK  (Friedensgesellschaft)’und natürlich in der BI gegen eine Steinbrucherweiterung.

Ich bin nicht Mitglied einer Partei und kandidiere zum ersten Mal für ein politisches Amt und zwar für PULS im Gemeinderat und für Die Linke im Kreistag. PULS steht für einen kostenfreien Kindergarten. Wir lehnen jede weitere Flächenversiegelung im Außenbereich ab (Konkret bedeutet das, Ablehnung eines neuen Baugebietes im
Keltergrund). Wir verweigern uns jedem Straßenneubau (Das heißt, keine Südtangente in Marbach, die nur Verkehr von der Kronenkreuzung zum König-Wilhelmplatz verlagern würde). Wir lehnen jede Privatisierung öffentlicher Daseinsvorsorge wie Wasserversorgung und Abwasser ab, und streiten für einen Rückkauf der Gasversorgung. Wir lehnen die geplante Gartenschau ab, unter anderem weil sie zusätzlichen Autoverkehr generieren würde, und natürlich auch zusätzliche Parkplätze gebraucht würden. Wir plädieren dafür, zu gegebener Zeit einen Bürgerentscheid dazu durchzuführen.

Wir setzten uns für eine fußgänger- und fahradfahrerfreundliche Stadt ein, d.h. für eine
autofreie Innenstadt und gegen ein neues Parkhaus an Stelle des alten Kinos.
Generell sollte bei jeder Entscheidung, sei sie politisch oder privat, die Endlichkeit unseres Planeten bedacht werden. Spätestens seit dem ersten Bericht des Club of Rom 1972, sollte eigentlich jedem klar sein, dass ewiges Wachstum in einer endlichen Welt nicht geht. Doch was ist inzwischen passiert? Der Autoverkehr nimmt zu, Flugreisen nehmen zu, täglich werden zig Fußballfelder wertvolles Ackerland versiegelt, usw. Es scheint so, als ob wir so weitermachen wollten.

Ein Beitrag von Hendrik Lüdke im Gemeinderat bringt es auf den Punkt:
In der Europäischen Union werden jährlich rund 1.000 Quadratkilometer Boden durch Landnahme und Landnutzungsänderungen zerstört. Das ist eine Fläche, auf der Getreide für fünf Millionen Menschen angebaut werden könnte. Wir Europäer nutzen bereits zur Hälfte Böden außerhalb der EU, um unseren eigenen Lebensmittel – und Rohstoffbedarf zu decken. Und durch den Flächenfraß wird dieser Anteil höher und höher. Die EU ist ein Bodenfresser, ein Ressourcenräuber in eigenen und fremden Territorien. Wir leben auf Kosten anderer … Und dazu tragen wir, trägt jede Kommune durch weitere Flächenverbräuche bei, undbeklagen uns gleichzeitig über Fluchtbewegungen, die Europa als Ziel haben…. Die Flüchtlinge sind sichtbares Zeichen unseres unsolidarischen Lebensstiles. Unter anderem deshalb arbeite ich auch im Asylkreis Marbach mit und unterstütze eine Familie aus dem Irak und eine aus Syrien. Es ist eine Binsenweisheit, dass wir nicht allen helfen können, aber ich finde es zynisch zu sagen, wir können nicht allen helfen und gleichzeitig nicht damit aufhören Unheil auf der Welt zu verbreiten.

Was unseren Steinbruch betrifft, so steht PULS von Anfang an gegen eine Erweiterung. Inzwischen ist das ja Konsens im Gemeinderat. Wie sich die entsprechenden Fraktionen im Regionalparlament verhalten werden, ist eine ganz andere Sache. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an den Bundestagswahlkampf 2005, in dem eine Partei eine Mehrwertsteuererhöhung verhindern wollte und die andere 2% Erhöhung forderte. Der Kompromiss war dann 3%. In unserem Fall könnte dann ein Kompromiss aus zweimal Nein ein Ja sein. Wir müssen wachsam bleiben. Deshalb finde ich es gut, dass wir das regelmäßig durch unsere Besuche bei der Regionalversammlung zeigen.

Was ich sonst noch mache:
– regelmäßige Teilnahme an den Montagsdemos gegen S21. Die Bahn hat tausende Kilometer Gleise abgebaut, S21 ist ein Rückbau des Schienenverkehrs. Die Bahn tut alles um den Schienenverkehr zu zerstören, versenkt Unmengen an Beton im Untergrund und zwingt die Menschen das Auto zu nutzen, was wiederum Unmengen Stein für den Straßenbau benötigt.

– Teilnahme an den jährlichen Demos zum Jahrestag der Fukushima-Katastrophe in Neckarwestheim. Wir sind hier in der Todeszone. Der sogenannte Atomausstieg ist keiner: In Karlsruhe wird an einer neuen Generation Reaktoren geforscht und die Brennelementefabrik Lingen darf auch nach Abschaltung des letzten AKWs in Deutschland weiter für die ganze Welt produzieren.

– Teilnahme an Friedensdemos
– gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr
– gegen Waffenexporte
– gegen Africom in Stuttgart, von wo die Drohnenmorde in Afrika koordiniert werden
– Büchel-Blockade (deutsche Piloten üben dort den Atombombenabwurf)

Mir wird manchmal gesagt, ach du Träumer. Ja, ich träume vom Überleben der Menschheit und freue mich über die Schüler, die sich freitags weltweit für ein Überleben von Mensch und Natur einsetzen.

Werbeanzeigen

2 Kommentare zu “Mir wird manchmal gesagt: „Ach, du Träumer…“

  1. Axel ist ein SUPER-Hero! Und ein würdiger Kandidat der solidarischen Liste PULS!

    Gefällt mir

  2. Ja, davon bin ich auch überzeugt! Ich drücke die Daumen, dass es klappt. So einen sympathischen und engagierten und vor allem kritischen Gemeinderat wünscht man sich auch für Stuttgart. Da sind es viel zu wenig!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: