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Diskussion um fridays for future – Ein Redevorschlag zur Montagsdemo

       Sieht so die Zukunft aus?

Das Thema „fridays for future“ (FFF) beschäftigt auch uns in unseren Dienstagstreffen und anderswo. Und nicht wenige von uns trifft man jeden Freitag auf dem Marktplatz.  Die Gruppe der SeniorInnen gegen S21 hat sich (noch) nicht auf eine gemeinsame Haltung geeignet oder gemeinsam daran teilgenommen. Wir suchen noch …

Nachstehend ein Vorschlag zu einer Rede bei der Montagsdemo, die ein Mitglied unserer Gruppe verfasst hat:

Was ist unsere Aufgabe gegenüber „Fridays for Future“,  der Jugendbewegung für das Klima?

Wer von uns hätte damit gerechnet, dass so etwas möglich ist? Seit 10 Jahren demonstrieren wir jede Woche gegen S 21, unermüdlich. Und jedes Jahr 1 Jahr älter werdend. Ohne Nachwuchs. Und plötzlich, sozusagen über Nacht, taucht eine Bewegung von jungen Leuten auf, von SchülerInnen, füllt jeden Freitag die Straßen in Deutschland und überall in der Welt. In Stuttgart mobilisieren sie bereits so viele wie                                                                          wir – und das während der Unterrichtszeit!

Unsere Sympathie, ja unsere Begeisterung haben sie. Wem von uns kam nicht schon einmal der Wunschgedanke: Wenn die bei uns mitmachen würden auf den Montag-Demos… Wir kämpfen doch auch für die Umwelt!

Aber konkret: Welche Haltung sollen wir zeigen? Stellt die Fridays-Bewegung uns nicht auch konkrete Aufgaben?  Vier Antworten will ich anführen – zwei falsche und zwei richtige.

1. Für uns Ältere ist es gar nicht so einfach, zu verstehen, was diese Jungen bewegt.

Sie selbst sagen voller Selbstbewusstsein, sie seien der „Aufstand der Jugend zur Rettung des Klimas, des Planeten“. (Na ja, vor 50 Jahren sind wir angetreten für die Weltrevolution.) In den Medien, in der Öffentlichkeit wird daraus „Bewegung für mehr Umweltschutz“. Und schon ist sie verniedlicht, kastriert. Wir sind doch alle für mehr Umweltschutz, auch Merkel und Zetsche, oder?

Das ist der erste Fehler:

Die Arroganz der Erwachsenen. Die Jungen werden nicht ernst genommen. FDP-Lindner hat sich mit dieser Haltung lächerlich gemacht. Merkel hat sich schnell korrigiert – nachdem 20 000 Wissenschaftler den Jungen Recht gegeben haben.

Auch wir sind nicht frei von diesem Fehler, wenn wir die Fridays-Bewegung in eine Reihe stellen mit den Umwelt-Bewegungen, in denen wir unsere Sporen verdient haben: gegen AKWs, gegen S 21, für Radwege usw. Sie rufen: „…weil man uns die Zukunft klaut!“. Der Unterschied: Wir mobilisierten für ein schöneres Leben. Die Jugendlichen heute streiken aus Existenzangst, für sich und ihre Kinder, für die Menschheit. Von daher ihre instinktive Radikalität. Wir Älteren können diese Lebensangst nicht nachfühlen. Für die wenigen Jahrzehnte, die wir noch zu leben haben, rechnen wir nicht gerade mit fürchterlichen Umwelt- Katastrophen.

Also, schreiben wir uns das hinter die Ohren: Die „Fridays…“, das ist nicht irgendeine weitere löbliche Umweltbewegung. Sondern die radikale, schonungslose Konsequenz aus der Realanalyse unserer gesellschaftlichen Entwicklung. Unsere Generationen haben das seit 50 wissen können. Vielleicht haben wir es sogar gewusst. Aber wir haben uns nicht getraut, es laut zu sagen, die notwendigen politischen Schlussfolgerungen zu ziehen. Es passte nicht in unsere Schemata von Ausbeutung und Klassenkampf. Wir waren zu feige.

2. Der zweite Fehler:

Die Jugendlichen werden unter Dauerbeschuss genommen: Ihr persönlicher Lebensstil lässt zu wünschen übrig! „Fangt erst einmal bei euch selber an, bevor ihr…“ Vorwürfe von Leuten, die seit Jahrzehnten so leben, dass sie die Zukunft der Jungen zerstören! Diese Leute fühlen sich berufen, jetzt den Jungen Bedingungen stellen, bevor sie sich politisch engagieren. Ein Beispiel: Eine taz-Leserin mokiert sich über einen Jugendlichen, den sie im Flugzeug von Teneriffa nach München dabei ertappt, wie er eine Rede für die nächste Fridays-Kundgebung schreibt. Ein bosnischer Freund von mir sagt: Wer mit dem Finger auf eine andere Person zeigt, darf nicht vergessen, dass dabei drei Finger auf ihn selbst gerichtet sind…

Mir ist aufgefallen, wie wichtig den Jugendlichen in der Bewegung ihr ganz persönliches Verhalten ist: vegan Essen, mit der Bahn statt mit dem Auto Fahren, Plastik Vermeiden…Aber nicht, weil sie die Illusion haben, so könne Schritt für Schritt das Klima gerettet werden. Oder dass nur Umwelt-Engel die Berechtigung haben, fürs Klima auf die Straße zu gehen. Mir zeigt das ihre persönliches Engagement. Früher hätte man gesagt: Berufs-Revolutionäre.

3. Klimarettung ist nicht alles?

Sicher. Aber ohne die Rettung des Klimas ist alles nichts. Diese Realität zu verstehen, ja zu verinnerlichen, fällt uns alten KlassenkämpferInnen sehr schwer. Noch schwerer, die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen für unsere praktische politische Arbeit. Greta wird in Davos gefragt, was für die Klimarettung zu ändern sei, und sie antwortet: Everything. Alles. Das gilt auch für unsere politische Arbeit. Für die Politik überhaupt.

So schwierig es für uns ist – aber wir müssen die Worte Gretas ernst nehmen, in ihrer ganzen Tragweite zu verstehen versuchen. Sie entspringen einer kindlichen Logik, einer Denkweise, die außerhalb der kapitalistischen Denkweise angesiedelt ist. Es ist kein Zufall, wenn gerade die Jugendlichen am ehesten in der Lage sind, diese Denkweise zu verstehen und zu übernehmen.

Ich persönlich bin in den ersten Wochen immer mit der Sorge zu den „Fridays“ gegangen: Ob sie immer noch die Menschheit retten wollen? Oder lassen sie sich auf die „realistischen“ Ziele der Umweltbewegungen von uns Älteren orientieren? Und immer haben sie mich überrascht: sie bleiben mutig, radikal, konsequent; es geht ihnen ums Ganze (Greta: was notwendig ist, und nicht was politisch möglich ist). Insofern, meine ich, ist diese Bewegung sozusagen instinktiv revolutionär.

Die Jungen werden heute von den Politikern und Medien hofiert. Man will sie „Zu Tode streicheln“, haben sie selbst erkannt. Und sie werden gefragt: „Welche Forderungen habt ihr konkret?“ Sie antworten dann mit dem Pariser Abkommen, den Vereinbarungen von Kattowitz oder anderen Selbstverpflichtungen der Regierenden. Das ist gefährlich, denn da geht es immer um Kompromisse, die das Klima mehr oder weniger stark zerstören – die Option der Jungen ist aber die Rettung. Besser, sie beschränken sich darauf, Druck auszuüben für diese Zielvorstellung auf die Politik, statt selbst in die Politik einzugreifen.

4. Und was können wir Älteren ganz konkret tun?

Die SchülerInnen gegen die Schulbürokratie schützen. Ihre Demos technisch unterstützen, verköstigen. Präsent zu sein, unsere Solidarität ausdrücken. Alles richtig. Und wichtig für die SchülerInnen. Wenn wir die gebotene Zurückhaltung üben, wenn wir den Charakter, das Wesen der Fridays-Bewegung respektieren.

Aber etwas anderes ist noch viel wichtiger.

Nehmen wir uns ein Beispiel an den SchülerInnen. Sie bestreiken jeden Freitag den Unterricht. Nicht, um aufzufallen, als PR-Trick. Sondern im Bewusstsein, dass das gewohnte Leben nicht mehr so weitergehen darf wie bisher. Weil wir sonst schnurstracks das Klima gegen die Wand fahren. Auch die Schule darf nicht so weitergehen wie bisher.

Genau das gilt aber auch für uns Ältere. Unser Leben darf nicht mehr so weitergehen wie gewohnt. Unter den „Parents for Future“ wird diskutiert: Auch die Älteren müssen auf die Straße. Aber nicht Freitags – da arbeiten sie ja. Sie müssen schließlich ihre Familie ernähren. Die SchülerInnen sagen: Was nützt mir ein gutes Abi, wenn ich keine Zukunft habe? Merkwürdig, dass wir Älteren so schwer kapieren: diese Logik gilt auch für uns!

Also, welche konkreten Kampfformen sind die richtigen für uns Ältere? Streiks? Konsum-Boykott? Mahnwachen? Auto-Blockaden? Plätze und öffentliche Gebäude besetzen? Nein, ich weiß auch nichts Genaueres. Ich weiß nur: die Diskussion und Aktion dazu muss jetzt beginnen! Now!

Ingo Speidel von „SeniorInnen gegen S 21“ und „Parents for Future“:

I

2 Kommentare zu “Diskussion um fridays for future – Ein Redevorschlag zur Montagsdemo

  1. Dass wenigstens die Diskussion begonnen hat, dürfte der Anfang für gemeinschaftliche Solidarität sein, die sich ruhig ausbreiten darf – und das WELTWEIT | 🙂

    Übrigens … zum Parkschützer-Forum gehört die Satzung des e. V. https://www.parkschuetzer.de/images/ps-satzung.pdf 3 Seiten
    Auszug aus § 3:
    „Zweck des Vereins ist

    Förderung der Volksbildung
    Förderung der Kommunikation innerhalb der bürgerlichen Zivilgesellschaft.
    Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Gruppierungen mit ähnlicher Ausrichtung Förderung von Aktionen zur Verbesserung der Lebensqualität in Stadt und Umland bezüglich des Umweltschutzes, Behindertenfreundlichkeit und eines Kinder- Jugend- und Seniorengerechten Umfeldes. …“

    Übrigens … in unserem Grundgesetz steht im Artikel 21 [Parteien]
    „(1) Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit. Ihre Gründung ist frei. Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen. Sie müssen über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie über ihr Vermögen öffentlich Rechenschaft geben.“
    ENDE Auszug GG Art. 21

    Zurück zum PS-Forum unter „Andere Themen“ Statement vom 21.05.2019 https://www.parkschuetzer.de/statements/204579
    „Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen“: Ein politisches Video des YouTubes #Rezo sorgt unter Jugendlichen für Aufregung. Sein Titel: „Die Zerstörung der CDU“.

    Redakteur im Feuilleton der FAZ Fridtjof Küchemann meint „Wir sollten ihm dankbar sein“

    Jetzt darf an diesen „Richtungsweisenden“ CDU-Bundesparteitag erinnert werden, und die Rede von Julia Klöckner am 15.12.2015 PHOENIX Live vor Ort https://www.youtube.com/watch?v=tBiEujPTRH8 21:05 Min.
    Sprecher: So, jetzt geht es ruckzuck weiter mit dem nächsten Leitantrag – Kommission
    „Nachhaltig Leben – Lebensqualität bewahren“ Julia Klöckner ist die Kommissionsvorsitzende …

    Und heute, nachdem Juli Klöckner seit März 2018 Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft ist?
    02.05.2019 ARD Monitor Das große Artensterben: Wie die Agrarpolitik Julia Klöckners die Artenvielfalt bedroht http://mediathek.daserste.de/Monitor/Das-gro%C3%9Fe-Artensterben-Wie-die-Agrarpol/Video?bcastId=438224&documentId=62440846
    Video 7:56 Min. Verfügbar bis 2099
    … An der deutschen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner prallen solche Warnungen aber offensichtlich ab. Selbst wissenschaftliche Erkenntnisse und den Rat unabhängiger Experten ignoriert die Ministerin mittlerweile – ganz im Sinne der Interessen der Agrarlobby.

    Liken

    • Die Zerstörung der CDU, so im YouTube Video von #Rezo, hat am 21.05. um 22:51 Uhr 2,8 Mio. Klicks, die sich heute um 19:00 Uhr auf 9,88 Mio. Klicks erhöht haben!
      Ab Min. 0:20 „Ich werde in diesem Video zeigen:
      – Wie CDU-Leute lügen
      – Wie ihnen grundsätzliche Kompetenzen für ihren Job fehlen
      – Wie sie gegen deutliche Experten-Meinungen Politik machen
      – Wie sie sich augenscheinlich an verschiedenen Kriegsverbrechen beteiligen
      – Wie sie Propaganda und Unwahrheiten gegen die junge Generation einsetzen
      – Wie bei ihrer Politik, die letzten Jahrzehnte, die Reichen immer mehr gewinnen und die Anderen immer mehr ablusen.
      Und, ich zeige, dass nach der Experten-Meinung von zichtausenden deutschen Wissenschaftlern, die CDU aktuell unser Leben und unsere Zukunft zerstört! …
      Wenn Du eine Partei auf EU-Ebene wählst, dann stärkst Du die auch auf Bundes-Eben und Landes-Ebene; insofern ist das nicht zu trennen. …
      Das wird diesmal wirklich en Zerstörungs-Video. Nicht weil ich aktiv versuche jemanden zu zerstören, sondern weil die Fakten und Tatsachen einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf und ihr Wahlergebnis, damit selbst zerstört! …“ https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ
      *** Das war bereits in den 50er Jahren deutlich zu erkennen: Keine Volkspartei!!! ***

      Aufgenommen und zwei Kommentare auf SWR» Aktuell am 24.05.2019 „Fridays for Future“: Tausende Schüler werben für Europawahl https://up.picr.de/35834836up.pdf veröffentlicht bekommen – der 2. Kommentar wurde gelöscht, die Kommentarmöglichkeit geschlossen.
      Heute kein Kommentar mehr öffentlich!?!

      23.05. Rezo-Video & Co: Politik ignoriert junge Generationen! | #mirkosmeinung https://www.youtube.com/watch?v=xr4janMiEPE 9:59 Min.
      23.05 Rezo wissenschaftlich geprüft https://www.youtube.com/watch?v=tNZXy6hfvhM 21:42 Min.
      Mai Thi Nguyen-Kim (Quarks im Ersten) und Eckart von Hirschhausen

      Ende Januar 2019 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gebeten, sich mit dem Thema Grenzwerte für die Belastung der Atemluft mit Stickoxiden zu befassen. https://www.leopoldina.org/politikberatung/arbeitsgruppen/grenzwerte-der-luftverschmutzung/

      In den Stellungnahmen werden Handlungsoptionen aufgezeigt,
      auf deren Grundlage die Politik evidenzbasierte
      Entscheidungen treffen kann. …
      PUBLIKATIONEN https://www.leopoldina.org/uploads/tx_leopublication/Leo_Stellungnahme_SaubereLuft_2019_Web.pdf 64 Seiten, 4,83 MB

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