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Backe backe Kuchen oder der diskrete Charme des Innehaltens der S21-Bewegung

Der  Protest gegen das Immobilienprojekt Stuttgart 21 richtet sich gegen Naturzerstörung und für  den Erhalt einer lebenswerten  Umwelt. Dafür gehen wir auf die Straße und einige sogar ins Gefängnis.

Spät, aber hoffentlich nicht zu spät, sind junge Leute darauf gekommen, dass etwas den Bach runter geht  – mit der Umwelt, dem Klima, mit der Politik und mit ihrer Zukunft. Es hat nur eines Anstoßes von der „richtigen“ Stelle bedurft, um sich selbst betroffen zu fühlen. Eigene Betroffenheit ist fast immer die Ursache, wenn Menschen auf die Straße gehen und protestieren.   Weniger sind es die sozialen Missstände und/oder erlittenes Unrecht anderer.  Die Friedensbewegung hat nur deswegen viele Anhänger*innen auf die Straße gebracht, weil die Menschen sich von einem eventuellen Krieg bedroht fühlten (Standort der Perching-Raketen, Nato-Doppelbeschluss) oder bei der AKW-Bewegung die Angst vor dem SuperGau durch die  Fukushima-Katastrophe, die sie auf die Straße gehen ließ.

Dass es bei dem Klima-Protest ums Große und Ganze geht, um die Zukunft und es auch bei unseren Protesten nicht „nur“ um einen Bahnhof,  wissen wir doch längst. Ich frage mich aber, warum es ein gefühlte Ewigkeit gedauert hat, bis die Themen Klima, Feinstaub, Wohnmisere auch bei den Montagsdemos zur Sprache kamen.  Im Grunde sind die Montagsdemos zum verlängerten Arm der Juristen und Ingenieuren geworden. Ich bezweifle um Gottes willen nicht die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und Untersuchungen. Das muss erhalten bleiben. Auch davon „nährt“ sich die Bewegung. Aber mit rechtlichen und technischen Schwerpunkten allein können wir keine Zuläufe erwarten, von den Jungen schon gar nicht.

Leider übt sich ein Teil der Bewegung gegen S21 bewusst in vornehmer Zurückhaltung.  Hilfestellung ist schon o.k. – aber nur in Form von Brot- und Kuchenständen oder dezentem Kärtchenzeigen mit „Danke“-Hintergrund. Ach, es ist ja auch so rührend, wenn eine Seniorin einen Berg Kuchen anschleppt, um die hungrigen Mäuler zu stopfen und  sich die Alten devot und altersweise bei den Jungen bedanken!  Ansonsten aber bitte  im Hintergrund halten und  nicht  von vorneherein  alles durch Einmischung und Beckmesserei verderben.   Ins gleiche Horn stößt auch das Aktionsbündnis in der Info Nr. 157: „Belehren, Besserwissen, altkluges Reinreden wären das letzte. Die Jungen haben sehr schnell eigene Protestformen entwickelt, von denen wir einiges lernen können. Sie werden ihren Weg finden. Wie auch immer die ausdrücklich gewünschte Unterstützung auch von den Älteren aussehen könnte, muss besprochen und geklärt werden.  …“Man/frau hört es und staunt. Da wird anscheinend von den Macher*innen von fridays for future  „ausdrücklich Unterstützung gewünscht“ und gemacht wird – gar nichts. Denn „Es muss noch besprochen und geklärt werden“.  Bei dem Tempo also zum Sankt Nimmerleinstag. Und dann noch „Wir sind dabei, in welcher Form auch immer!“ – Leider hat sich die Form dann am 15. März hauptsächlich in der „teilnehmenden Beobachtung“ gezeigt. Aber was Wunder bei den vielen ehemaligen Lehrern in der Bewegung gegen Stuttgart 21.

Dazu passt auch perfekt die in der Pädagogik bekannte Erziehungsmethode von TRIAL AND ERROR und der OPERANTEN KONDITIONIERUNG.   Für die wenigen aus der Bewegung, die nicht im weitesten Sinne mit Pädagogik zu tun haben (!): Die operante Konditionierung bezeichnet das Lernen durch Versuch und Irrtum. Bedingt durch ein Ereignis, das auf ein gezeigtes Verhalten folgt, wird das Verhalten entweder häufiger oder seltener auftreten. Die eintretenden Ereignisse oder Konsequenzen werden in Verstärker und Bestrafung unterteilt. Verstärker und Bestrafung können entweder hinzugefügt oder entfernt werden. Dazu gehört auch die Trial and Error-Methode (Versuch und Irrtum). Durch eigene Erfahrung (wenn sie auch manchmal weh tut) lernt man am schnellsten.

Also Leute und liebe Lehrer, lasst sie ihre Erfahrungen machen. Deshalb: Ruhig abwarten, erstmal Zugucken, dezent Mitjubeln geht auch,  ebenso verschämt Hintanstehen, dabei Bekannten aus  anderen Gruppierungen und  Organisationen freundlich gefasst zunicken,  auch missbilligend, wenn die MLPD wieder mal mitmischt und viiiiel fotografieren.  Ah, man kennt sich ja. Für den Anfang ist das genug.   Bestrafungen,  Verbote, und  Aussitzen erledigen schon andere. Ganz verlässlich. Bis alle jungen Demonstrant*innen selbst auf die Nase fallen. Wiederholung dann ausgeschlossen. Sie haben nämlich gelernt. Ja, so muß es klappen!

 

 

 

 

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