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Die 100ste Rathausaktion – oder „… und der Himmel leuchtet in seinem schönsten Blau“

20150529-_DSC4459Foto: Jens Volle

Anlass zum Feiern gab es wahrhaftig nicht bei der 100sten Rathausaktion am 29. Mai 2015. Leider! Denn auch beim 100sten Mal hat sich rein gar nichts bei den Forderungen der SeniorInnen gegen S21 bei der Rathaus-Ausstellung getan: Weder wurden die Briefe an OB Kuhn beantwortet, noch hat sich an der Darstellung des S21-Modells und an der S21-Ausstellung etwas verändert.

Trotzdem war die Aktion ein weiterer Meilenstein in unserem Bemühen um eine ehrliche Information zum geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof und über eine mögliche Alternative dazu – nämlich einem funktionierenden Kopfbahnhof. Auch auf der Internetseite BAA (Bei Abriss Aufstand) wurden zu unserer Aktion diesmal auch MedienvertreterInnen eingeladen, über unsere Aktion zu berichten. Eine kleine „Theateraufführung“ mit einem fiktiven Gespräch mit OB Kuhn wurde dort gezeigt. Dazu kam dann noch ein Video von Lars Reichow, in welchem über die Stadtzerstörung berichtet wurde. Auch wurden wieder Info-Flyer verteilt und das unsägliche Glastischmodell abgedeckt. Das Rathaus war gut besucht an diesem Freitag. Und es war sehr erfreulich, dass fast alle Besucher gerne die Informationen entgegennahmen. Insofern war die 100ste Rathaus-Aktion ein Erfolg, obwohl unser Brief, in welchem wir endlich die Beantwortung unserer Schreiben anforderten, nicht entgegengenommen wurde.  Deshalb hier nochmals unsere Forderungen in einem Offenen Brief an OB Kuhn:

„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kuhn!

  • Bitte antworten Sie auf unsere Schreiben!
  • Bitte überprüfen Sie einmal selbst, mit welchen geschönten Angaben die Informationsbroschüren über S21 im Stuttgarter Rathaus bestückt sind!

Wir fordern eine ehrliche Informationspolitik. Auch im Stuttgarter Rathaus!

Bei der Volksbefragung vom 27. November 2011, die, wie Sie doch selbst zugeben müssen, unter falschen Voraussetzungen vonstatten ging (Kostendeckel!),  hat sich die Mehrheit der Stuttgarter Innenstadtbewohner für einen Ausstieg aus der Finanzierung für Stuttgart 21 ausgesprochen. Die Mehrheit, von der Sie (und ganz zu schweigen von Ministerpräsident Kretschmann) immer sprechen, kam hauptsächlich durch die Stimmenanteile aus dem baden-württembergischen Umland und den außenliegenden Stadtteilen von Stuttgart zustande. Doch dies wird jedoch ständig in Ihren Reden und Argumentationen ausgelassen.   Warum? Sich immer auf eine Mehrheit zu berufen, die auf unrichtigen Erläuterungen und Informationen beruht,  ist das ein guter Umgang mit den Stuttgarter Innenstadtbewohnern?  Sind Sie nicht der Oberbürgermeister aller Stuttgarter? Und der Bau des Tiefbahnhofs mit all seinen unsäglichen Belastungen  betrifft in erster Linie die Stuttgarter Innenstadtbewohner, die diesen Tiefbahnhof  nicht wollen . Und deren Oberbürgermeister Sie   a u c h   sind, die aber von Ihnen ignoriert werden.  So auch jüngst in einem öffentlichen Interview vor dem Stuttgarter Rathaus anlässlich des Evangelischen Kirchentages, bei welchem Sie immer wieder von der Mehrheit sprechen.

Hinzu kommt noch die Informationspolitik im Stuttgarter Rathaus. Wir, die SeniorInnen für einen gut funktionierenden Kopfbahnhof, wollen im Rathaus nicht nur über den Bau des Tiefbahnhofs S21 informiert werden. Zu einer ehrlichen Informationsbroschüre gehört auch, dass über die Nachteile und Gefahren eines solchen Projekts berichtet wird. Wir, aber auch alle Besucher des Stuttgarter Rathaus, haben den Anspruch   a u c h   über die mögliche Alternative zu erfahren, nämlich über einen Kopfbahnhof, bei welchem die Umweltbelastungen, Finanzierungskosten und Zeitdauer nicht so gravierend sein würden wie bei S21.

Aber von den Belastungen, Umweltzerstörungen und Gefahren steht kein Wort in der Informationsbroschüre in der extra für Stuttgart 21 ausgerichteten und an exponierter Stelle gezeigten Ausstellung im Rathaus. Hier nur einige Beispiele:

In einem euphorischen Artikel in der Informationsbroschüre „Bezug – das Projektmagazin“ wird  z.B.  über die 40 Millionen  Tonnen Erdaushübe berichtet,  die von den Tunnelausgrabungen zu den vorgesehenen  Deponien weggeschafft werden müssen. Auszug:

“ Der Himmel leuchtet an diesem Nachmittag in seinem schönsten Blau über dem Filderportal am Stuttgarter Fasanenhof, wo derzeit an der unterirdischen Verbindung ( … )  gegraben wird … und das nach allen Regeln der Kunst“. Und weiter heißt es: „Logistik heißt, die Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden, zu den richtigen Kosten zu sichern.“ Und:  „Auch hier, mitten im Stuttgarter Stadtgebiet, wurde ein maßgeschneidertes Logistikkonzept entwickelt, um die Belastung der Bürgerinnen und Bürger durch Lärm, Schmutz und Verkehr so gering wie möglich zu halten (…).“

Ja, da fragen Sie bitte einmal die Bewohner des Nordbahnhofviertels, wie die richtige Menge zur richtigen Zeit von dort aus zu den Deponien vonstatten geht. Kein Wort von den immensen Belästigungen durch Lärm, Dreck und Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub etc. – und das schon von Anfang an!

Fragen Sie einmal die Bewohner auf der Alb und anderswo, in derer Nähe dann der Erdaushub, also auch Dreck und Schutt, abgeladen wird.  Inzwischen zählen zahlreiche der einstmals so glühendsten  Befürworter zu den entschiedensten Gegnern dieses unnötigen Milliardenprojekts.

Als reinen Hohn muss man da auch noch empfinden, wenn Tunnelpatin Gerlinde Kretschmann, die Frau des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, im Vorwort dieser Broschüre zu Wort kommt: “ Ich werde an die vielen schönen Begegnungen mit den Mineuren denken, wenn ich eines Tages mit dem Zug durch meinen Tunnel brause“. Kommentar überflüssig.

Nochmal: Wir wollen eine ehrliche Darstellung dieses Projekts. Wir wollen Transparenz der Kosten für die Ausstellung im Rathaus, im Turmforum und in der Jägerstraße.  Wir wollen Antwort auf unsere Briefe. Wir wollen nicht ständig abgewiesen werden.

Herr Oberbürgermeister Kuhn, wir nehmen Sie in die Pflicht!

Mitglieder der SeniorInnen gegen S21″

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